mord & totschlag

Neue Schauergeschichte

Samstag, 20. August 2011 von Ulli

Es waren nur Zeichen. Sie waren schlimm, aber sie verschwanden wieder. Viele Menschen hatten in den Nächten die blutigen Köpfe gesehen, grausam abgetrennt vom Rumpf, auch ich habe sie gesehen, doch am folgenden Tag waren sie verschwunden. Anzeigen bei der Polizei fruchteten nichts: Die Räume wurden durchsucht und Nichts Verdächtiges wurde gefunden. Was ging vor? War es die Mafia? Ein versprengter Überrest der Stasi? Gerüchte sagten,  ein millionenschwerer Lobbyistenverband betreibe im Hinterzimmer ein Studio, in dem Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens gefoltert und einer Gehirnwäsche unterzogen würden. Doch NICHTS wurde bewiesen. Aber alle wussten: Das BÖSE war mitten unter uns, es lebte und atmete in jenen einfachen und scheinbar so unscheinbaren Räumen…

siehe auch: Lektüreprobe “Berliner Macht.

Thriller aus naher Zukunft

Mittwoch, 03. August 2011 von Ulli

Die Nacht war hereingebrochen. Nur wenige Menschen waren noch in den Straßen unterwegs. Dann sah ich die beiden kommen. Geduldig. Verschlagen. Böse. Ich nahm meine Pistole aus ihrem Versteck und überprüfte das Magazin. Ich war auf der Flucht. Überall hallten die Lügenparolen wider: “Niemals ist es den Menschen besser gegangen”, oder auch “Wenn einem so viel Gutes widerfährt…”. Doch die Realität sah anders aus. Millionen lebten gerade noch am Rande des Existenzminimums, ohne Aussicht auf Besserung ihrer Lage stand ihnen das Wasser bis zum Hals. Ich hatte auf die

Situation von vielen Journalisten, Autoren und Übersetzern hingewiesen, die seit langem schon von ihren Jobs kaum leben konnten, während ihre Chefs im Geld schwammen. Zunächst hatten sie mich totschweigen wollen. Aber dann hatten sie doch ihre gefürchteten Häscher geschickt. Seit drei Tagen war ich nun auf der Flucht, ich hatte noch mein letztes Honorar, doch das reichte kaum für die nächsten vierundzwanzig Stunden. Meine Häscher dagegen verdienten an einem Tag so viel wie ich in zehn Wochen. Bezahlt wurden sie durch weitere Kürzungen bei Journalisten, Autoren und Übersetzern…

Siehe auch: “Berliner Macht”.

Gute Krimis: “Maigret, die Tänzerin und die Gräfin”

Montag, 18. Juli 2011 von Ulli

Georges Simenon beendete seinen Roman „Maigret au Picratt’s“ (dieser Titel ist wesentlich besser als der der deutschen Übersetzung) im Dezember 1950. In Paris hatte es geschneit: „Der Schnee gefiel ihm, weil er ihn an seine Kindheit erinnerte, aber er fragte sich, wie seine Frau ihn hier in Paris hübsch finden konnte, zumal an diesem Morgen. Der Himmel war noch verhangener als am Vortag, und das Weiß der Schneeflocken ließ das Schwarz der glänzenden Dächer noch schwärzer erscheinen, hob die traurigen und schmutzigen Farben der Häuser, die zweifelhafte Sauberkeit der Vorhänge in den meisten Fenstern noch deutlicher hervor.“ (Georges Simenon, „Maigret, die Tänzerin und die Gräfin“, Zürich, 1986, S. 101). Wie alle anderen Maigret-Romane beginnt auch diese Geschichte damit, dass die Dinge der Welt und des Lebens sich auf ihrem alltäglichen und krisenlosen Gleis bewegen, in der „normalen Routine“(a.a.O. S.5). Die Welt ist in ihrer Ordnung:

„Es war ein flauer Tag auf dem Montmarte. Justine (ein Streifenpolizist) hätte angeben können, in welcher Reihenfolge die meisten Nachtclubs geschlossen wurden…Die rote Schrift des „Picratt’s“ gehörte zu den wenigen des Viertels, die noch erleuchtet waren, und warf ihren Widerschein wie Blutlachen auf das nasse Pflaster.“ (a.a.O.S.5)

Doch in dieser Nacht verlaufen die Dinge anders: Die Stripteasetänzerin Arlette geht, nachdem das „Picratt“, der Club, in dem sie arbeitet, am frühen Morgen geschlossen hat, nicht einfach nach Hause, sondern läuft scheinbar ziellos durch das Viertel. Schließlich betritt sie die Polizeiwache und erzählt folgende Geschichte: Sie habe mit einem Gast in einem der Separees gesessen und zufällig gehört, wie zwei Männer am Nebentisch sich darüber unterhielten, dass eine Gräfin sterben müsse. Einer der beiden Männer habe auf den Namen Oscar gehört. Arlette wird zum Polizeipräsidium am Quai des Orfevres gebracht, wo Maigret sie kurz kennenlernt. Schließlich wird sie entlassen und einige Stunden später in ihrer Wohnung erwürgt aufgefunden:

„Das Ergreifendste ist immer irgendein lächerliches Detail, und in diesem Fall war für Maigret besonders beklemmend, dass das neben einem Fuß, der noch in einem hochhackigen Schuh steckte, ein unbeschuhter Fuß war, die Zehen unter einem Seidenstrumpf erkennbar, der mit Schlammspritzern übersät war, und eine Laufmasche, die an der Ferse begann und bis über das Knie hinaufreichte.“ (a.a.O. S.29)

Dann wird auch die Leiche einer Gräfin gefunden, einer rauschgiftsüchtigen, älteren Frau, die in ihren guten Zeiten gemeinsam mit ihrem Mann in einem großen Haus in Nizza gelebt hatte. Maigret ermittelt und verbringt zwei Abende im „Picratt“:

„Die Wände waren rot gestrichen, die Beleuchtung war in kräftigem Rosa gehalten, und in diesem Licht verloren die Dinge und Menschen etwas von ihrer Wirklichkeit. Man hatte den Eindruck – zumindest Maigret hatte ihn -, sich in der Dunkelkammer eines Fotografen zu befinden. Man brauchte einen Moment, um sich daran zu gewöhnen. Die Augen wirkten dunkler, glänzender, während die Umrisse der Lippen verschwanden, vom Licht verschluckt.“(a.a.O. S.89f)

Der Kommissar lernt sämtliche an diesem Fall beteiligten Personen kennen, ihre wechselseitigen Beziehungen, ihre Lebensumstände und -verhältnisse. Die Spuren führen zurück in die Vergangenheit der beiden erwürgten Frauen. Schließlich stellt Maigret eine Falle. Beim Show-Down kommt es zum Einsatz von Schusswaffen… „In dieser Nacht hatte Lapointe (ein Mitarbeiter Maigrets) seine erste Liebe begraben. Und seinen ersten Menschen getötet.“ (a.a.O. S.215)

Quai des Orfevres, Paris, Kommissar Maigrets Präsidium, 60 Jahre später

Ein Wort zu den Getränken: Auch in diesem Roman erweist Maigret sich als geübter Kampftrinker. Am ersten Tag der Ermittlungen trinkt er etliche Biere und am Abend abwechselnd Cognac und Champagner. Nichtsdestoweniger leert er am folgenden Morgen im Büro ein Bier „auf einen langen Zug“ (a.a.O. S.145), trinkt „unterwegs…noch zwei Bier“ (a.a.O. S.151), und später in der „Brasserie Dauphine“ hinter dem Quai des Orfevres „ein Glas Cognac“(a.a.O. S.171) und immer so weiter: „Der Kater war verschwunden, aber ihm schwante, dass er am nächsten Morgen einen neuen haben würde.“ (a.a..O. S.171).

Wie stellt Simenon seine Romanpersonen und die Stadt Paris dar?

Arlette ist eine echte Sexbombe: Sie arbeitet als Burlesketänzerin und steht am Ende ihrer Show splitternackt auf der Bühne, zudem hat sie sich – Anfang der 50er Jahre – die Schamhaare rasiert. Der Chef des „Picrat“ charakterisiert sie: „Ich habe Frauen von fünfunddreißig und vierzig Jahren erlebt, meist so verrückte Luder, denen es Vergnügen machte, die Männer scharf zu machen. Oder blutjunge Mädchen, die mit dem Feuer spielten. Aber nie eine wie Arlette, nie eine, die es mit solcher Leidenschaft machte.“ (a.a.O. S.177). Dennoch unterscheidet diese Figur sich vollkommen von den kalten und klischeehaften Sexbomben, die viele Krimis jener Jahre bevölkern. Es war Simenons großes Können, mit Warmherzigkeit sehr menschlich wirkende Figuren in seine Romane zu zaubern und dort handeln zu lassen: Arlettes Erotik erscheint so als Teil ihres Charakters und nicht umgekehrt. Der Leser erfährt, dass sie anscheinend aus gutbürgerlichen Kreisen stammte, in Paris unter falschem Namen lebte und dass ihre erotische Kraft eine dunkle Kehrseite in einer destruktiven Beziehung von sexueller Abhängigkeit hatte. In diesem Zusammenhang ist es interessant, wie Simenon Paris darstellt: Zeitgeschichtliche Ereignisse spielen keinerlei Rolle, noch nicht einmal der Zweite Weltkrieg und die Besetzung und Befreiung der Stadt werden in den Maigretromanen erwähnt. Stattdessen stilisiert er das Paris und die ganz normalen Leute seiner Zeit zu einer ahistorischen Bühne des Allgemein Menschlichen. Seine Personen werden angetrieben von ihren überzeitlich menschlichen Bedürfnissen und Wünschen, von ihren dunklen und hellen Emotionen, von Gefühlen, Verstrickungen und Wirrungen, wie sie die Menschen zu allen Zeiten und in allen Weltteilen kennzeichnen: Simenon entfaltet nicht weniger als eine comedie humaine in kriminalistischer Form.

siehe auch: Sara Paretsky – Globalisierung in Chicago

Ein schöner Sommerthriller: “Berliner Blut”

Mittwoch, 29. Juni 2011 von Ulli

…Sie stieg wieder mit aller Kraft auf die Bremse, sie zog sogar noch die Handbremse an, und der Wagen schlit­terte über die Fahrbahn. Ein Schuss löste sich, und Birgit Allenare schrie gellend auf. Der Mercedes drehte sich mehrmals um die eigene Achse, bevor er gegen ein entgegen­kommenden VW-Bus knallte und endgültig zum Stehen kam.

Mannheim und der Blonde rangen noch immer miteinander, aber dem Kommissar war es gelungen, seinen Gegner mehr oder weniger unter sich zu begraben. Er hatte die Waffe am Lauf ge­packt und hielt die Mündung in Richtung des Wagendachs gerich­tet.

Ein zweiter Schuss krachte, und Mannheim hatte für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl, die Hände würden ihm abgerissen. Dann spürte er einen sehr heißen Schmerz in seiner linken Schulter und stellte mit einer gewissen Verblüffung fest, dass eine warme, klebrige Flüssigkeit seine Brust und seinen linken Arm hinunter lief…

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Verfluchter Ischias

Samstag, 25. Juni 2011 von Ulli

Der neue Gerontothriller (für jung und alt)

…als Hans Hallert an diesem Morgen erwachte, kam er nicht hoch. Jede Bewegung verursachte ihm unendliche Schmerzen. Der Ischiasnerv war wieder einmal eingeklemmt. Hallert biss die Zähne zusammen. Kalte Wut kochte in ihm. Seine Hand tastete zum Nachttisch, öffnete die Schublade und ergriff den aus Furcht vor Einbrechern immer geladenen Trommelrevolver. Doch niemals war ein Einbrecher gekommen. Der silberhaarige Mann spannte den Hahn, drehte sich mühsam auf den Bauch, drückte den Lauf der Waffe gegen seinen unteren Rücken: Genau da, wo es schmerzte.

Verfluchter Ischias, zischte er durch die Zähne. Dir zeige ich es…

James-Joyce-Tag

Mittwoch, 15. Juni 2011 von Ulli

Vor genau 107 Jahren, am 16.Juni.1904, spielt der Ulysses von James Joyce, ohne Zweifel eine der bedeutendsten epischen Dichtungen überhaupt, zudem ein herausragendes Werk der klassischen Moderne. In seinem Text lehnt Joyce sich an Konstruktion und Geschichte von Homers Epos an: Dem homerischen Odysseus entspricht der Dubliner Werbekaufmann Leopold Bloom, der Penelope seine Frau Molly und dem Telemachos der junge Stephan Dedalus, der bereits im „Porträt des Künstlers als junger Mann“ in Erscheinung tritt. Ulysses beginnt wie das Homer’sche Vorbild mit den Geschicken des Sohnes Stephen und beschreibt dann die Odyssee Leopold Blooms durch die Stadt Dublin. Er startet am frühen Morgen und endet spät in der Nacht.

Tatsächlich begann der Ire Joyce, der im selbstgewählten Exil in Rom, Triest und Zürich lebte, seinen Roman, um sich an einigen Menschen in Dublin zu rächen. Er fühlte sich übel behandelt und wollte seine Gegner gnadenlos bloßstellen, in seinen Briefen wimmelt es von entsprechenden Drohungen. Doch im Lauf der Jahre und unter der hellen Sonne des Mittelmeers wandelte sich alles: Ulysses, abgeschlossen während des Ersten Weltkriegs, wurde zu einer Utopie der Moderne und des 20.Jahrhunderts.

Am 16.Juni.1904 lernte Joyce übrigens seine spätere Frau Nora kennen. Für Zahlenspielerei und Zahlenmystik hatte der geniale Savant Joyce einen großen Sinn. Der Roman kann in drei große Teile gegliedert werden. Das erste Kapitel eines solchen Teils ist stets in realistischer Manier geschrieben:

Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppenaustritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen. Ein gelber Schlafrock mit offenem Gürtel bauschte sich leicht hinter ihm in der milden Morgenluft. (James Joyce, Ulysses, Frankfurt, 1975, S.7)

Nur dann und wann sind Gedankensplitter der Hauptperson eingebettet. Dieser innere Monolog nimmt dann immer mehr Raum ein. Das letzte Kapitel eines solchen Hauptteils präsentiert nur noch einen großen, an die phänomenologische Philosophie Edmund Husserls, gemahnenden Bewusstseinstrom:

Unausweichliche Modalität des Sichtbaren: zum mindesten dies, wenn nicht mehr, gedacht durch meine Augen. Die Handschrift aller Dinge bin ich hier zu lesen, Seelaich und Seetang, die nahende Flut, den rostigen Stiefel dort. Rotzgrün, Blausilber und Rost: gefärbte Zeichen… (a.a.O. S.53)

Zudem teilt der Ulysses sich auch in zwei Hälften. Genau zur Mitte des Textes nämlich geht Blooms Frau Molly, anders als Odysseus Penelope, fremd. Nicht nur Bloom dreht bei dieser Vorstellung ein bisschen durch, die Sprache des Romans selbst scheint zu explodieren. Sie benimmt sich so ähnlich wie die Farbe in den Bildern Vincent van Goghs: Die Emanzipation der Form gegenüber dem Inhalt zu einem autonomen Ausdrucksmittel ist eine Essenz der modernen Kunst.

Von all dem sollte man sich aber nicht beirren lassen. Am besten beginnt man die Lektüre nicht am Anfang des Buches, sondern mit Kapitel IV, mit dem ersten Auftreten von Leopold Bloom. Bloom, der nahezu ununterbrochen an Sex und an Essen denkt, ist ein mit großem Humor begabter Mensch (Nora Joyce berichtete, dass ihr Mann bei der Niederschrift des Ulysses laufend über seine eigenen Witze lachte) und die Lektüre seines Tages ein einziges Vergnügen. Das Kapitel fängt damit an, dass Mr. Bloom für sich und seine Gattin Frühstück zubereitet. Das erste Lebewesen, mit dem er es zu tun hat, ist seine Katze:

Eiskalt waren Licht und Luft in der Küche, doch draußen überall linder Sommermorgen…

- Mkgnau!

- Ah, da bist du ja, sagte Mr. Bloom, sich vom Feuer wendend.

Die Katze maunzte eine Antwort und stakte wieder steif um ein Tischbein, maunzend. Just wie sie über meinen Schreibtisch stakt. Prr. Kraul mir den Kopf. Prr.

Mr. Bloom beobachtete neugierig, freundlich, die geschmeidige Gestalt. Sauberer Anblick: der Glanz ihres glatten Fells, der weiße Knubbel unter dem Knauf ihres Schwanzes, die grünen blitzenden Augen. Er bückte sich zu ihr hinab, die Hände auf den Knien.

- Milch für das Pussilein, sagte er.

- Mrkgnau! schrie die Katze. (a.a.O. S.77)

Also: Man schmeiße die üblichen Bestseller weit von sich und lese lieber James Joyce!

Neue Rezension “Berliner Macht”

Mittwoch, 08. Juni 2011 von Ulli

Ada Mitsou hat meinen letzten Krimi gelesen. Sie schreibt:

Berlin-Wedding: Schon seit Tagen nimmt die Polin Magdalena Grojec einen unangenehmen Geruch aus der Wohnung ihres Nachbarn wahr. Besorgt alarmiert sie die Polizei und was zunächst nur eine vage Vermutung gewesen ist, wird nun zur erschreckenden Wahrheit: Markus Keppel wird halb verwest in seiner Wohnung aufgefunden…Eine heiße Spur führt aus dem ärmlichen Wedding in die höchsten Kreise der Berliner Gesellschaft…

Ullrich Wegerichs Trumpf ist nicht das Perverse oder eine überaus actionreiche Handlung, sondern die Nähe zum Leser. Die Figuren aus seinem Krimi könnten unsere Nachbarn sein und der Handlungsort ist vielen von uns bekannt…Mich konnten vor allen Dingen der angenehme Schreibstil sowie die Nähe zum Leser überzeugen.

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Sie auch: Textprobe “Berliner Macht”.

Heinrich von Kleist – Hundebeißerei aus dem Charlottenburg des Jahres 1810.

Samstag, 28. Mai 2011 von Ulli

Der große Heinrich von Kleist gab im Jahre 1810 die „Berliner Abendblätter“ heraus, zu denen er auch viele Beiträge selbst schrieb. Mit ihrer Themenbreite von „Betrachtungen über den Weltlauf“ bis hin zu Ausführungen „Über den Zustand der Schwarzen in Amerika“, von Theater- und Kunstkritiken bis zu satirischen Ideen über eine „Granatenpost“, waren diese „Abendblätter“ nicht weniger als der erste Versuch einer Boulevardzeitung auf deutschem Boden. Wie immer war Kleist seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Zudem raunzte er hemmungslos einflussreiche Zeitgenossen an, wie etwa den damaligen Regie- und Theaterstar Iffland, und kam auch der preußischen Zensur ins Gehege. So ging er schon bald wieder pleite.

Unter den Polizeiberichten vermeldet er am 9.Oktober 1810 eine Geschichte, die auch den heutigen Einwohner von Berlin-Charlottenburg noch amüsieren kann. Charlottenburg war damals kaum mehr als ein märkisches Dorf mit einem königlichen Schloss:

Am 3.d.M hat sich in Charlottenburg ein fremder Hund mit einem Stricke um den Hals eingefunden und ist, nachdem er sich mit mehreren Hunden gebissen hatte und aus mehreren Häusern verjagt war, auf dem Hofe des Herrn Geh. Kommerz. Rat Pauli geraten. Daselbst wurde er von sämtlichen Hunden angefallen, und weil er sich mit ihnen herumbiss, so hielt man ihn für toll, erschoß ihn und alle Paulische, von ihm gebissenen Hunde und begrub sie ehrlich. Dieses Faktum hat zu dem Gerücht Anlaß gegeben, daß in Charlottenburg ein toller Hund Menschen und Vieh gebissen habe. Menschen sind gar nicht gebissen, das Vieh aber, das er biß, ist teils getötet und begraben, teils in Observation gesetzt. Zudem, da er sich gutwillig aus mehreren Häusern verjagen ließ, ist nur zu wahrscheinlich, daß der Hund gar nicht toll gewesen.

(zitiert nach, Heinrich von Kleist, Sämtliche Werke, Ausgabe des Bertelsmann Leserings, also wohl in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts)

siehe auch: Heinrich von Kleist – “Das Erdbeben in Chili” – Die soziale Dynamik einer Katastrophe.

Schauergeschichte

Freitag, 13. Mai 2011 von Ulli

Die drei Schwestern wohnten seit langem in jenem Haus am Rand des Dorfes. Sie lebten sehr unauffällig und zurückgezogen. Niemand hatte das Verschwinden der beiden Landstreicher je mit ihnen in Verbindung gebracht. Auch die Morde an den Touristen, deren abgehackte Körperteile man später oben im Wald gefunden hatten, waren unaufgeklärt geblieben: Hände, Beine, Füße und Geschlechtsteile waren während der herbstlichen Trüffelsuche unter dem Laub entdeckt worden. Doch alles änderte sich an jenem scheinbar so friedlichen Sommerabend…

siehe auch: Textprobe “Berliner Blut”.

Interessante Polizeiboote

Donnerstag, 21. April 2011 von Ulli

Heute: Die Berliner Wasserschutzpolizei auf der Spree.

Wenn der Frühling kommt und das Eis taut, schweift auch die Wasserschutzpolizei wieder aus. Im Kreuzberger Landwehrkanal, der von Zeit zu Zeit ausgebaggert wird, findet man dann rostige Schusswaffen, Messer und sogar ganze aufgeschweißte Tresore. Hier auf der Spree im heimatlichen Charlottenburg geht es jedoch viel friedlicher zu. Die Sonne scheint und auch die Fische beißen nur selten. Im Hintergrund sieht man den Turm des Rathauses.

siehe auch: Schöne Polizeifahrzeuge.

 

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