berliner mord & totschlag

Leseprobe „Berliner Macht“

Die Personenschützer nutzten heute den roten BMW. Reiner Gutleut stand auf der Terrasse seiner Dachgeschosswohnung in der Zionskirch­straße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und blickte hinunter auf die Straße und auf den Wagen der Polizisten. Zwei Beamte waren zu seinem Schutz abgestellt. Sein Blick wanderte hinüber zur Zionskirche, deren Turm eingerüstet war und renoviert wurde.

Berlin, Prenzlauer Berg.

Es war ein kalter und windiger Februartag. Graue Wolken hingen tief über der Stadt. Gutleut fröstelte. Er ging zurück in seine Wohnung, ließ sich in einen Ledersessel fallen und griff nach der Fernbedienung. Er schaltete den Fernsehapparat ein und zappte durch die Kanäle, bis er Phönix gefunden hatte. Sie übertrugen gerade die Pressekonferenz, die er am Morgen gegeben hatte.

Gespannt musterte er sich selbst im TV: sein schmales Gesicht, seine blauen Augen, seine blonden Haare. Neben ihm auf dem Bildschirm saß Anne-Sophie, seine Referentin. Sie machte sich gut, sah kompetent und fotogen aus mit ihren langen roten Haaren, blätterte in ihren Papieren.

Die Pressekonferenz war nicht schlecht gelaufen.

Möglicherweise würden die Tagesthemen berichten.

Die Kamera zeigte, wie ein Journalist das Wort ergriff: „Herr Gutleut…“

Der Politiker war zufrieden, er kam gut rüber. Endlich war er auf dem Königssprung zur Macht, auf den er seit Jahren hingearbeitet hatte. Lange Zeit hatte er sich seine Ziele nicht eingestanden, aber nun, vom Ende her, erkannte er die Kontinuität. Es war vollkommen richtig gewesen, den Übergang auf die Bundesebene zu wagen…

Aus dem Nebenraum hörte er Miriams Stimme, die sich immer weiter nach oben schraubte. Seine Frau übte Tonleitern. Dann öffnete sich die Tür und sie trat ein. Sie trug einen winzigen, schwarzen Slip und einen ebenso winzigen, schwarzen BH.

„Schon da?“ Sie gab ihm einen Kuss.

„Es ist gut gelaufen heut früh“, sagte er und wies auf den Bildschirm.

Sie blieb in der Mitte des Raumes stehen und beobachtete ebenfalls den Bildschirm. Dann verlor sie das Interesse. „Hast du das gelesen? Warte mal, das wollte ich dir zeigen.“ Sie verschwand im Nebenraum und tauchte mit einer Zeitung in der Hand wieder auf. „Die Schleider hat wieder zugeschlagen!“

Gutleut rollte genervt mit den Augen.

„Das geht alles gegen dich!“, rief Miriam empört. „Sie nennt dich natürlich nicht beim Namen, aber es ist doch klar!“ Sie las vor: „Geblieben sind nur die Gier nach Macht und nach Geld! Nichts zählt, als die eigene Karriere! Moral gilt als überflüssig und dumm! Unsere Politik funktioniert viel zu oft nach diesem schlechten Muster… Sie will dir an den Karren fahren.“

„Das ist doch nur gequirlte Scheiße“, knurrte Gutleut.

Die Schleider würde er fertig machen!

Ihm mit diesen blöden Phrasen zu kommen! Ihm...

Sie war eine kleine Lehrerin in Rheinland-Pfalz gewesen! Eine frustrierte, vertrocknete Kuh. Ihre Parteikarriere hatte sie erst gemacht, nachdem ihr Mann, der Herr Chefarzt, sie wegen einer Jüngeren verlassen hatte.

„Du musst endlich reagieren“, verlangte Miriam.

„Verlass dich drauf.“ Er blickte wieder auf den Bildschirm. „Musst du noch mal weg?“

„In einer halben Stunde ist Probe.“

„Schade.“

Sie verschwand im Nebenraum und kehrte nach einer Minute in Jeans und Pullover zurück. In der Rechten hielt sie ihren ledernen Beutel. Sie beugte sich über ihn und gab ihm ein Küsschen zum Abschied.

„Wir sehen uns heute Abend?“

Gutleut nickte, schaltete den Fernsehapparat ab und blickte seiner Frau nach. Unwillkürlich legte er die Stirn in Falten.

Die Schleider wurde zum Problem.

Sie wollte ihm tatsächlich quer kommen!

Er griff zum Telefon.

bestellen bei amazon ,  bei vorwärts.de oder direkt beim Verlag.

 

© Ulli – Powered by WordPress – Theme: Vlad (aka Perun)