mord & totschlag

Neues Cover, neues Glück

Donnerstag, 02. Mai 2013 von Ulli

In der zweiten Jahreshälfte wird, wieder im Verlag Königshausen & Neumann, ein neuer Berlin-Krimi erscheinen: GUT ESSEN. Eine Geschichte über Manipulationen an Lebensmitteln und über millionenschwere Lobbyisten. Der Grafiker Dr. Markus Heinlein hat das Titelbild entworfen:

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MYTHUXS

Mittwoch, 06. März 2013 von Ulli

Ein neues E-Book veröffentlicht, Teil I eines auf zwei Bände angelegten und in Berlin spielenden Soziopathenkrimis. Ein Sturm zieht auf:

“In einer Schule in Schöneberg wird ein Lehrer mit Dutzenden Messerstichen niedergemetzelt. Die Kriminalpolizei nimmt die Ermittlungen auf. Dann werden in Kreuzberg mehrere Menschen regelrecht hingerichtet. Nun deuten alle Indizien deuten auf einen Täter aus dem organisierten Verbrechen hin… Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus: Der Killer tötet aus persönlichen Motiven. Er mordet, um sich selbst zu finden. Er steigert sich in einen Blutrausch. Aus dem Kellergewölbe der Leistungs- und Wohlstandsgesellschaft ertönt eine schwarze Stimme…”

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Die Berliner Republik, die hessische Provinz und immer nur die Besserverdienenden – Zu Anne Chaplets Politkrimi „Nichts als die Wahrheit“.

Samstag, 22. September 2012 von Ulli

In Frankfurt begeht der Bundestagsabgeordnete Alexander Bunge durch einen Sturz von einem Kirchturm Selbstmord. Anne Burau, die als Ökobäuerin in der hessischen Provinz lebt, nimmt als Nachrückerin seinen Platz in Berlin ein. Manches an Bunges Suicid ist jedoch nicht koscher: So geriet er in den Verdacht, Kinderpornographie zu konsumieren, doch dieser Vorwurf scheint nicht haltbar. In Berlin sucht Anne Burau nach dem Journalisten Peter Zettel, mit dem sie einmal einen One-Night-Stand hatte und aus dessen Redaktion die Päderastievorwürfe kamen. Doch Zettel ist verschwunden. Dann wird einer seiner Kollegen erschlagen. Bunge leitete den Bauausschuss des Bundestages und bei den Bauarbeiten in der deutschen Hauptstadt kamen anscheinend die Gespenster der deutschen Vergangenheit zu Tage… Anne Chaplets Krimi ist geschickt aus verschiedenen Perspektiven konstruiert, er enthält einige sicher treffende Skizzen des Berliner Politikbetriebs und er thematisiert die Bedeutung der Nazivergangenheit für unsere Gegenwart. Ein ambitioniertes Vorhaben. Doch man muss genauer hinsehen.

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“Berliner Macht”

Freitag, 08. Juni 2012 von Ulli

“Die Wohnung war vollkommen verwahrlost. Der Flur sah aus wie der Lagerraum eines wahnsinnig gewordenen Altwarenhändlers. Zu beiden Seiten stapelten sich Gerümpel und Trödel: billigstes Geschirr auf wackligen Regalen, dazwischen rostiges Werkzeug, daneben Blumentöpfe, in denen sich noch vertrocknete Erde befand, außerdem ein uralter Radioapparat, Dutzende von schreiend bunten Plastiksparschweinen, ein wackliges Beistelltisch­chen. Große Pakete mit preiswertem Duschgel lagerten neben hohen Stapeln von Billigseife und an der Wand lehnten Teile eines Wohnzimmerschranks, ein verbeulter Autoreifen und drei rostige Gartenstühle. Halb zerrissene Kartons und blaue Müllsäcke türmten sich bis zur Decke…

“Der Tote lag im Wohnzimmer vor einem riesigen Fernsehgerät. Er trug Militaryhosen und ein grünes T-Shirt mit dem Aufdruck Super Trouper. Der Mann lag auf der Seite, seine Hände waren auf dem Rücken mit Klebeband gefesselt und sein Kopf steckte in einer blauen Plastiktüte. Der Körper war deutlich in den Zustand der Verwesung über­gegangen und der Bauch vom Leichengas in bizarrer Weise aufgebläht. Über dem Toten schwirrte ein dichter Schwarm winziger Fliegen. Obwohl beide Fenster weit offen standen, war der süßliche, Übelkeit erregende Leichengestank kaum zu ertragen..

siehe auch: Lektüreprobe “Berliner Macht”.

bestellen bei: amazon oder direkt beim Verlag.


Neue Rezension “Berliner Macht”

Mittwoch, 08. Juni 2011 von Ulli

Ada Mitsou hat meinen letzten Krimi gelesen. Sie schreibt:

Berlin-Wedding: Schon seit Tagen nimmt die Polin Magdalena Grojec einen unangenehmen Geruch aus der Wohnung ihres Nachbarn wahr. Besorgt alarmiert sie die Polizei und was zunächst nur eine vage Vermutung gewesen ist, wird nun zur erschreckenden Wahrheit: Markus Keppel wird halb verwest in seiner Wohnung aufgefunden…Eine heiße Spur führt aus dem ärmlichen Wedding in die höchsten Kreise der Berliner Gesellschaft…

Ullrich Wegerichs Trumpf ist nicht das Perverse oder eine überaus actionreiche Handlung, sondern die Nähe zum Leser. Die Figuren aus seinem Krimi könnten unsere Nachbarn sein und der Handlungsort ist vielen von uns bekannt…Mich konnten vor allen Dingen der angenehme Schreibstil sowie die Nähe zum Leser überzeugen.

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Sie auch: Textprobe “Berliner Macht”.


Volker Kutscher – Krimis über die Weltstadt Berlin

Freitag, 11. März 2011 von Ulli

Im Jahre 1929 wechselt Kriminalkommissar Gereon Rath, nachdem er im Dienst einen Mann erschossen hat, von der Kölner Polizei nach Berlin. Er gerät in eine Stadt außer Rand und Band: Die Weltwirtschaftskrise wirft ihre Schatten voraus und die prekäre Weimarer Demokratie wird endgültig von Links und von Rechts in die Zange genommen. Die Stadt lebt den berühmten Tanz auf dem Vulkan: Es gibt jede Menge Drogen, illegale Nachtclubs, Verbrecherbanden, politische Straßen­schlachten. Rath taucht ein in diese aus den Fugen geratene Welt, und dem Historiker und Autor Volker Kutscher gelingt nicht weniger, als den Niedergang der ersten deutschen Demokratie im Medium des Kriminalromans zu spiegeln. Dabei verwendet er geschickt stilistische Mittel der heutigen Massenkultur: So ist beispielsweise Raths Liebesgeschichte mit seiner Kollegin Charlotte, die sich in ihren Auf und Abs über alle drei bislang erschienen Bände zieht, beste Fernseh-Soap. Und Goldstein, der dritte Band der Reihe, in dem diverse Handlungsstränge in kurzen und kürzesten Szenen gegeneinander geschnitten werden, folgt mit dieser Dramaturgie den großen amerikanischen Gangsterfilmen.

Aber wie ist Kutschers Berlin genau charakterisiert? Dem ersten Band Der nasse Fisch ist ein Zitat Walther Rathenaus vorangestellt: Spree-Athen ist tot, und Spree-Chicago wächst heran. Ziemlich zu Beginn des Romans gibt es dann eine wilde Verfolgungsjagd über die damalige Baustelle des Karstadt-Gebäudes am Neuköllner Herrmanplatz: Das Karstadthaus war ein Projekt, dass explizit das alte Butzenscheiben-Berlin zu einer amerikanisierten Großstadt mit umformen sollte. Rath gerät an einen Fotografen, der Pornos mit einem Kaiser-Wilhelm-Double herstellt – eine Figur, die, entsprechend modifiziert, auch in James Ellroys grandiosen Krimis auftauchen könnte. In Der stumme Tod geht es um die Babelsberger Filmindustrie – der Bezug zu Hollywood liegt auf der Hand. Und in Goldstein erscheint gleich ein New Yorker Gangster auf der Berliner Bühne, um bei den regionalen Bandenkriegen mitzumischen. Kutscher beschreibt eine amerikanisierte Großstadt, die sich zugleich in schwersten sozialen Verwerfungen und ideologischen Wahnvorstellungen selbst zerstört.

Um die Bedeutung von Kutschers Romanen zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick in die Geschichte: Bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war Berlin ja nicht mehr als ein preußisches Residenzstädtchen. Erst im Zuge der industriellen Revolution wurde die Stadt zu einer Art Megacity, wurde sie in kürzester Zeit buchstäblich aus dem märkischen Sand gestampft, wuchsen Fabriken und Mietskasernen in rasendem Tempo. Noch heute verkünden die Namen der Berliner Bezirke, dass es sich um von der Industrialisierung überrollte und dann eingemeindete Dörfer handelt: Zehlendorf, Wilmersdorf, Reinickendorf…

Berlin, Brandenburger Tor

Doch war Berlin damit noch keine internationale Metropole. Bis 1918 herrschte ja Kaiser Wilhelm II, eine, um es milde auszudrücken, recht sonderbare Figur. Und die frühen Jahre der Weimarer Republik waren charakterisiert von Inflation und Wirtschaftskrise, von Massenelend und ideologisch motivierter Gewalt. Erst in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre, als es zu einer wirtschaftlichen Erholung kam, wurde Berlin zu einer urbanen Metropole von internationaler Bedeutung. Damals entstand der Mythos der Stadt. Doch schon 1933, mit Hitlers Machtergreifung, war das vorbei. Und auf das Nazi-Berlin folgte die Teilung der Stadt: Der Westteil war ein zwar sympathischer, aber doch sehr provinzieller Ort und Honeckers komische „Hauptstadt der DDR“ bestenfalls eine Kuriosität.

In Berlin realisieren sich die Verwerfungen der deutschen Geschichte. Die Fehlentwicklung, die 1933 begann, endete erst 1989 mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung der Stadt. Nun erst konnte Berlin sich anschicken, wieder zu einer Metropole von internationaler Bedeutung zu werden und konnte die Entwicklung fortgesetzt werden, die die Nazis 1933 abbrachen. Es ist dieser Zusammenhang, der unter anderem die Relevanz von Kutschers Romanen bezeichnet. Der richtige Blick zurück kann die Gegenwart erhellen.

siehe auch: Leseprobe “Berliner Blut”


Das pralle Leben

Freitag, 03. September 2010 von Ulli

bescheinigt der Berliner weblog Wedding krass meinem Roman Berliner Macht:

„Das pralle Leben steckt in dem Buch, als da sind: arbeitsliebende Mütter, verkannte Genies, Emporkömmlinge, Praktikantinnen, heimtückische Politiker und einige Tote… Man genießt als Weddinger den Gruselkitzel, dass das alles tatsächlich vor der eigenen Haustür passieren könnte.“

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Siehe auch die Besprechung beim planet wedding.


Ulf Miehe: “Ich hab noch einen Toten in Berlin.”

Freitag, 02. Juli 2010 von Ulli

Ulf Miehes Roman ist eine echte Ausnahmeerscheinung im allzu häufig stockbiederen deutschen Krimischaffen. Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschrieben und im damaligen Inselreich West-Berlin spielend, ist dieser coole Krimi um Klassen besser als vieles, was seitdem veröffentlich wurde.

Es geht um den Drehbuch- und Krimiautor Benjamin und um den fürs deutsche Fernsehen tätigen Regisseur Gorski. Beide fahren nach Berlin, um dort nach Stoff für einen neuen Film zu suchen. Sie wollen nahe an der Wirklichkeit recherchieren. Benjamin kennt Sparta, eine aus Westdeutschland zugereiste und in Berlin heimisch gewordene Rotlicht- und Gangstergröße. Und Sparta, der einer jungen Frau zu einer Filmrolle verhelfen will, gibt tatsächlich einen Tipp: Einmal im Monat landet auf dem Flughafen Tegel eine US-amerikanische Militärmaschine, die den Sold für die in Berlin stationierten Soldaten bringt. Es soll sich um eine Million Dollars handeln, damals verdammt viel Geld. Mit einem Geldtransporter, eskortiert von zwei Jeeps, werden die Geldsäcke dann ins Headquarter gebracht. Diesen Transporter könnte man überfallen…

Gorski und Benjamin beginnen mit ihren Recherchen. Sie fahren die Strecke ab, denken darüber nach, wie man einen der Jeeps ausschalten und den Transporter stoppen könnte, besorgen sich auf dem schwarzen Markt mal probehalber Schusswaffen. Autor Benjamin macht sich pausenlos Notizen. Als heutiger Leser könnte man nun allerlei Reflektionen über das Drehbuch im Roman und ähnlichen Schnickschnack erwarten. Aber unsere postmodernen Zeiten lagen damals noch in weiterer Ferne. Und so nimmt die Geschichte eine ganz andere Wendung.

Gorski und Benjamin, als typische Kinder ihrer Zeit, schließen Theorie und Praxis einfach kurz. In der Realität führt dieser Kurzschluss aller Erfahrung nach ins Desaster (im Extremfall bis nach Stammheim und in den deutschen Herbst). Aber in der Literatur, und gerade in der aus den 70er Jahren, sehen die Dinge manchmal völlig anders aus. Gorski hat keine Lust, sich weiter von einem ebenso reichen wie knauserigen Produzenten nerven zu lassen. Und Autor und Bob-Dylan-Fan Benjamin scheint es finanziell ähnlich schlecht zu gehen wie heutigen Krimischreibern:

-„Schriftsteller überfiel Bank“, sagte er, „hast du’s schon gelesen? -„Nein.“ -„Und starb vor Aufregung an Herzschlag. So geschehen in der S-Bahn nach Hamburg. Mit dem Geld in der Tasche.“ -„So viel Geld war er nicht gewöhnt“, sagte ich.“ (Ulf Miehe, Ich hab noch einen Toten in Berlin, SZ Krimibibliothek Band 17, S. 92.)

Und so brechen sie die Brücken hinter sich ab. Ein besseres Leben werden sie schon finden, irgendwo unter südlicher Sonne. Benjamin und Gorski haben…

„…Träume, uneingestanden bis dahin, und ein Zufall bringt sie auf die Tat…Sie haben dieselbe Sehnsucht und den denselben Überdruss. Und plötzlich sind sie ganz überrascht, als sie feststellen, dass sie längst entschlossen sind, das Ding zu drehen, dass sie einfach keine Hemmungen haben…“ (a.a.O., S.152)

So nehmen die Dinge ihren Lauf und der Roman wird von Seite zu Seite spannender. Veröffentlicht werden Benjamins Notizen übrigens von einem gewissen Günter Quitt, einem befreundeten Autor, dem sie mit Hilfe einer Stewardess zugespielt wurden. Denn von Anfang an ist klar: Berlin ist zwar arm, aber sexy, aber Benjamin und Gorski sind dennoch mit unbekanntem Ziel auf und davon…

Fazit: Einer der wenigen internationalen Erfolge des deutschen Krimis. Und es ist kein Wunder, dass dieser Roman in 11 Sprachen übersetzt und allein in den USA mit über 200 000 Exemplaren verkauft wurde. Spitzenklasse!

Siehe auch: Lektüreprobe “Berliner Macht”


 

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