mord & totschlag

Interessante Polizeiboote

Donnerstag, 21. April 2011 von Ulli

Heute: Die Berliner Wasserschutzpolizei auf der Spree.

Wenn der Frühling kommt und das Eis taut, schweift auch die Wasserschutzpolizei wieder aus. Im Kreuzberger Landwehrkanal, der von Zeit zu Zeit ausgebaggert wird, findet man dann rostige Schusswaffen, Messer und sogar ganze aufgeschweißte Tresore. Hier auf der Spree im heimatlichen Charlottenburg geht es jedoch viel friedlicher zu. Die Sonne scheint und auch die Fische beißen nur selten. Im Hintergrund sieht man den Turm des Rathauses.

siehe auch: Schöne Polizeifahrzeuge.

Ein schönes Weihnachtsgeschenk

Dienstag, 07. Dezember 2010 von Ulli

…ist der Roman Berliner Macht. Der Weblog Wedding krass bescheinigt ihm „das pralle Leben“ und die Berliner Bücherstadt spricht von  einem “ziemlichen Potential“. Deutsche-Krimiautoren.de zieht das Fazit: „Machtpoker in der Hauptstadt. Lesenswert!“ Der Roman ist ein nettes Geschenk für alle, die unsere heutigen neoliberalen Zustände mit kritischem Verstand ansehen. Es folgt ein Ausschnitt:

Anne-Sophie Wagner hatte zwölf Stunden gearbeitet. Es war bereits nach zweiundzwanzig Uhr, als die rothaarige junge Frau an der Spree entlang in Richtung S-Bahnhof Friedrichstraße schlenderte. Die warme Luft schmeichelte ihrer Haut. Nach einer scheinbar endlosen Frühlingskälte war vor einer Woche plötzlich der Sommer nach Berlin gekommen.

Anne-Sophie war glücklich. Obwohl sie Kopfschmerzen von der langen Zeit im Büro und vom Protokollieren der vielen Meetings hatte. Sie hatte ihre Stelle seit einem guten halben Jahr, zunächst als Praktikantin, aber seit drei Monaten besaß sie einen festen Vertrag als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Anne-Sophie fand es gar nicht mehr außergewöhnlich, morgens und abends am Reichstag vorbei zu gehen oder das Paul-Löbe-Haus zu betreten. In ihrer ersten Arbeitswoche war sie vor Respekt nahezu erstarrt, sie hatte kaum laut zu sprechen gewagt. Aber inzwischen kannte sie den Betrieb…

Anne-Sophie Wagner ging am Gebäude des Fernsehsenders ARD vorbei, direkt am Spreeufer. Vor dem Café standen Tische und Stühle, an denen dutzende Leute saßen und den milden Abend genossen. Sie erkannte zwei Journalisten. Sie spielte mit dem Gedanken, selbst einen Cappuccino zu trinken. Aber dann entschied sie sich, doch lieber nach Hause zu fahren. Sie hatte morgen noch einmal einen langen Tag vor sich.

Und sie hoffte auf das kommende Wochenende.

Sie hatten gestern Nachmittag miteinander telefoniert und er war deutlich zurückhaltend gewesen…

Anne-Sophie ging am ehemaligen Tränenpalast vorbei, betrat den Bahnhof Friedrichstraße und fuhr mit der Rolltreppe nach oben zum Bahnsteig. Sie musste einen Moment warten, dann fuhr die S-Bahn Richtung Zoo ein. Am Zoo stieg sie in die U-Bahn Richtung Moabit um. In ihren ersten Tagen hatte sie sogar das U-Bahnnetz verwirrt. Aber inzwischen war sie Profi. Natürlich würde sie nicht auf alle Zeiten in Moabit wohnen. Sie hätte gerne im Bezirk Prenzlauer Berg gewohnt. Oder in Mitte. Das würde sich alles finden. Sie hatte ein gutes Gefühl. Sie hatte den Eindruck, dass das Eis brach.

Sie stieg am U-Bahnhof Turmstraße aus und spazierte zur Krefelder Straße. Beschwingt stieg sie die Treppe nach oben, sie wohnte in der dritten Etage. Als sie die Wohnungstür öffnete, stellte sie erstaunt fest, dass sie am Morgen vergessen hatte, abzuschließen – jedenfalls war die Tür nur ins Schloss gezogen. Naja, sie war ein bisschen spät dran gewesen und hatte auf den Kaffee verzichtet.

Anne-Sophie spürte auf einmal, wie hungrig sie war. Sie lief zum Kühlschrank und öffnete ihn: Sie hatte noch Ziegenkäse, Tomaten, eingelegte Weinblätter und Oliven. Auch eine halbe Flasche Chablis war noch da. Sie räumte alles auf den Küchentisch, öffnete das Fenster, um die Wärme und die Geräuschkulisse ihres Hinterhofs hereinzulassen und schnitt sich eine Scheibe Vollkornbrot ab. Sie wollte gerade den CD-Player anstellen, als sie das Geräusch hörte.

Es war eine Art Scharren. Dann hörte sie Schritte. Die Schritte kamen aus dem Flur oder aus dem Wohnzimmer.

Anne-Sophie erstarrte. Sie legte das Brot auf den Tisch und lauschte, wagte kaum zu atmen.

Wieder hörte sie ein leises Scharren. Jemand hatte in ihrer Wohnung auf sie gewartet. Deshalb war die Tür nur ins Schloss gezogen gewesen.

Die Hand der jungen Frau wanderte langsam zu dem großen Messerblock, der auf der Arbeitsplatte neben der Spüle stand. Sie spürte, wie ihr Herz schlug…

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Oder in jeder Buchhandlung.

Herbstgeschichte (Schluss)

Donnerstag, 21. Oktober 2010 von Ulli

…Der Jäger feuerte und der Kürbis sackte tot zu Boden. In panischer Angst nach Luft japsend rollte der andere Kürbis davon und verschwand im dichten Unterholz.

- Das wäre geschafft, sagte der Jäger fröhlich und rieb sich die Hände.

Er fuhr den Kürbis auf seiner Schubkarre nach Hause, wo seine Frau ihn ausnahm und die Kerne entfernte. Aus denen würde sie noch dunkles Öl pressen. Dann pflückte sie vom Schnitzelbaum im Garten zwei Koteletts. Sie briet den Kürbis in Olivenöel mit Knoblauch und Petersilie. Die frisch gepflückten Koteletts briet sie kurz und feurig durch.

- Du hast aber einen tollen Kürbis erwischt, sagte sie anerkennend zu ihrem Mann, als sie beim Mittagessen saßen.

- Ja, antwortete er stolz, das war einmal ein wahres Jägerglück.

Zum Kürbis reichte sie Spaghetti, die sie allerdings beim Discounter gekauft hatte.  - Denn seitdem das Wasser in der Havel sich so erwärmt hat, sind auch die Spagetti immer weniger geworden, erklärte sie. Man braucht fast zwei Stunden, um 200 Gramm zu fangen. Und man kriegt immer nur ganz Kurze ins Netz.

- Ja, antwortete der Jäger kauend. Aber die Zuchtspaghetti aus dem Geschäft sind ja auch sehr lecker und schmecken beinahe so gut wie die frei lebenden…

Herbstgeschichte

Samstag, 09. Oktober 2010 von Ulli

…Am Morgen ging der Jäger auf Kürbisjagd. Bereits im ersten Frühnebel saß er auf seinem Hochsitz und beobachtete die Lichtung. Die Kürbisse hatten gerade Brunftzeit und schon nach kurzer Zeit war aus dem Walde lautes Grollen zu vernehmen und rollten zwei mächtige Kürbisse mit gewaltigem Getöse, Geschnaufe und Geschnarre auf die Lichtung. Zuerst plusterten sie sich nur in wüsten und übelsten Drohgebärden auf, doch schon nach kurzer Zeit prügelten und rumpelten sie laut schnaufend aufeinander ein. Wie brünstige Hirsche prallten und knallten die Kürbisse gegeneinander. Der Jäger hob sein Gewehr und zielte sorgfältig, bevor er abdrückte. Alles kam darauf an, den Kürbis, den er ins Visier genommen hatte, nur oben am Stil zu treffen, so dass das saftige Fleisch nicht verletzt werden würde…

Finanzkrise 2.0: Was ist Mergers & Aquisitions?

Dienstag, 21. September 2010 von Ulli

In meinem Krimi Berliner Macht haben die Polizisten mit dem Abgeordneten Rainer Gutleut zu tun, einem ehrgeizigen Mann mit wirtschaftliberalen Grundüberzeugungen, der in der Politikbranche nach oben strebt. Aber Gutleut hatte schon immer Höheres im Sinn. Nach dem Fall der Mauer wickelte er mit seinem Beratungsunternehmen Going East Firmenübernahmen auf den neu entstandenen osteuropäischen Märkten ab und machte Millionen. Eine Beamtin der Mordkommission erklärt den Kollegen, wie dieses “Mergers and Aquisitions” funktioniert:

“Ich habe mich mit den verschiedenen Mitgliedern der Familien Gutleut und von Licht beschäftigt”, begann sie. „Reiner Gutleut ist tatsächlich ein ausgesprochen wohlhabender Mann. Sein Geld hat er in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts innerhalb von wenigen Jahren gemacht, als er als Unternehmensberater in einer selbst gegründeten Firma Going East arbeitete. Er hat sich dabei mit Firmenübernahmen in Osteuropa beschäftigt, mit einer Geschäftsform, die man Mergers and Acquisitions nennt. Ich war extra drüben im LKA 3″ – das sich mit Wirtschaftsdelikten beschäftigte – “und habe mir das erklären lassen. Beratertätigkeiten im Rahmen von Firmenübernahmen sind natürlich vollkommen legale Geschäfte, mit ein bisschen Geschick laufen sie jedoch auf eine Art Lizenz zum Gelddrucken hinaus. Man muss allerdings auch gut genug sein, um Geschäfte dieser Art zu beherrschen. Also: Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Systeme streckten viele westdeutsche Firmen ihre Fühler Richtung Osteuropa aus, um dorthin zu expandieren. In Polen, im Baltikum und in den GUS-Ländern gab es zahlreiche Betriebe, die zwar mehr oder weniger marode waren, aber dennoch von Interesse für westliche Übernahmestrategien. Sei es, dass diese Firmen einen Zugang zu den regionalen Märkten darstellten, sei es, dass sie gute Kapazitäten an Technologie und Ingenieuren hatten, sei es, dass es staatliche Subventionsgelder gab. Da war vieles verlockend. Das Mergers and Acquisitions funktioniert so, dass Banken oder Unternehmensberatungen die Märkte beobachten, also analysieren, welche osteuropäischen Firmen für welche westliche Kapitalgruppen interessant sein können. Sie fertigen dann Gutachten an, in denen sie den Übernahmekandidaten im Detail analysieren, herausstellen, was an ihm interessant ist, und so weiter, und auch schon erste Übernahmeszenarien entwerfen. Damit treten sie dann an das deutsche Unternehmen heran, das die Firma kaufen soll. Häufig rennen sie damit offene Türen ein, denn das westdeutsche Unternehmen ist ja schon selbst auf der Suche. Die Unternehmensberatung erhält also einen Vertrag und wickelt die gesamte Übernahme als Makler ab. Das ist ein hochkomplexer, juristisch extrem anspruchsvoller Vorgang, zu dem auch die Kollegen von LKA 3 nicht viel sagen konnten. Die Unternehmens­beratung erhält für ihre Bemühungen eine Provision, die zwischen 10 und 15 % der Kaufsumme betragen dürfte. Wenn das osteuropäische Unternehmen, das geschluckt wird, einen Wert von 10 Millionen Euro hat, verdient die Beraterfirma also eine gute Million, ist das Unternehmen 50 Millionen wert, sind es schon 5 bis 10 Millionen. Wenn man einige solcher Geschäfte abgewickelt hat, ist man bis an sein Lebensende ein steinreicher Mann.”

“Verrückt”, rief Birgit Allenare. „Wir können hier arbeiten, bis wir tot umfallen und kommen dennoch zu nichts.“

„Das ist der Kapitalismus“, erklärte Natascha mit Kennermiene.

„Das ist der Lauf der Welt überhaupt“, brummte Mannheim. „Und den werden auch wir nicht mehr ändern. Deine Recherche ist supergut!“, lobte er. „Aber ganz verstehe ich die Zusammenhänge noch immer nicht: Gutleut war in den Achtzigern ein typischer Berliner Bummelstudent. Er soll sogar für einige Jahre in einer Kreuzberger Hinterhofwohnung gelebt haben. Nach der Wende hat er seine Staatsexamina zügig gemacht, und da er offenbar nicht dumm ist, hat er hervorragende Noten bekommen. Aber woher hatte er auf einmal diese Kenntnisse über osteuropäische Firmen?”

“Da kommt nun eventuell Nadine von Licht ins Spiel”, erklärte Natascha und lächelte triumphierend. “Oder vielmehr Nadine Baumgärtner, wie sie bis zu ihrer Hochzeit hieß. Sie wurde am 12.12.1972 in Wittenberg an der Elbe geboren, in der Lutherstadt Wittenberg”, erklärte sie der Runde der versammelten Wessis, “und zwar als Tochter von Egon Baumgärtner. Der war ein hochrangiger Funktionär im Wirtschaftsministerium der DDR, sein Arbeitsgebiet waren die Handelsbeziehungen zu den sozialistischen Bruderstaaten, wie das damals hieß, also vor allem zur Sowjetunion. Natürlich war er in der Stasi, und ich habe seinen Namen an etlichen Stellen im Netz gefunden.  Sein Name taucht unter anderem in einer Veröffentlichung eines Verbandes von Stasiopfern auf, und zwar geht es darum, dass einige dieser alten Kader nach der Wende ihre Kontakte Richtung Osten für gutes Geld an westliche Firmen verkauft haben…”

bestellen bei amazon oder bei weltbild

Das pralle Leben

Freitag, 03. September 2010 von Ulli

bescheinigt der Berliner weblog Wedding krass meinem Roman Berliner Macht:

„Das pralle Leben steckt in dem Buch, als da sind: arbeitsliebende Mütter, verkannte Genies, Emporkömmlinge, Praktikantinnen, heimtückische Politiker und einige Tote… Man genießt als Weddinger den Gruselkitzel, dass das alles tatsächlich vor der eigenen Haustür passieren könnte.“

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Siehe auch die Besprechung beim planet wedding.

Schnittige Polizeifahrzeuge

Donnerstag, 26. August 2010 von Ulli

Heute: Berlin.

Mit diesen schicken Mercedes Limousinen fuhr früher die Westberliner Polizei durch die Stadt.

Das Fahrzeug wurde ausgestellt während des Festtages zu “100 Jahre Polizei am Sophie-Charlotte-Platz” in Berlin-Charlottenburg am 4. Juli 2010. Es war ein heißer Sommertag und man konnte anschließend noch zum Baden gehen.

siehe auch: Schöne Polizeifahrzeuge.

Neue Rezension zur “Berliner Macht”

Mittwoch, 09. Juni 2010 von Ulli

Caren Löwner von Deutsche-Krimi-Autoren.de hat sich zu meinem Krimi Berliner Macht geäußert.

Ihr Fazit lautet: “Machtpoker in der Hauptstadt. Lesenswert!”

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Schöne Polizeifahrzeuge

Mittwoch, 02. Juni 2010 von Ulli

Heute: New York City

Die New Yorker Polizei, berühmt und berüchtigt, dargestellt in unzähligen Krimis und Serien, von Jerome Charyn bis Kojak, greift im Großstadtstau zu allen Mitteln und nutzt die heißesten Flitzer.

Leonard Cohen Files

Montag, 19. April 2010 von Ulli

Leonard Cohens Bedeutung für die populäre Lyrik kann kaum überschätzt werden. Er schrieb Texte von suggestiver Kraft wie „Suzanne“ oder „So long Marianne“. Erinnert sei an „Bird on wire“ oder auch an das berühmte Lied über Janis Joplin und das „Chelsea Hotel“.

Chelsea Hotel, New York City

Viele Arbeiten Cohens entstanden in Griechenland, auf der kleinen, vor der Peleponnes gelegenen Insel Hydra. In den frühen sechziger Jahren kam der damals noch unbekannte kanadische Romancier und Lyriker auf Hydra an und musste sich angeblich aus Geldmangel mit dem einzigen Haus zufrieden geben, von dem aus man das Meer nicht sehen konnte. Hydra war unter Künstlern und Literaten nicht unbekannt. So war Henry Miller im Jahre 1939 während seiner Reise durch Griechenland auf der Insel gewesen und hatte sie in den glühendsten Tönen beschrieben:

„Hydra ist eine aus kahlem Felsen bestehende Insel… Die Stadt, die in der Form eines Amphitheaters um den Hafen herum ansteigt, ist makellos. Es gibt nur zwei Farben: Blau und Weiß, und das Weiß wird jeden Tag bis zum Straßenpflaster frisch getüncht. Die Häuser sind noch kubistischer angeordnet als in Poros. Vom ästhetischen Standpunkt aus ist es vollkommen, ist es der Inbegriff einer fehlerfreien Anarchie, die alles aufhebt, da sie alle herkömmlichen Anordnungen der Phantasie einschließt und darüber hinausgeht.“

(Henry Miller, Der Koloss von Maroussi, Reinbek bei Hamburg, 1965, S. 45)

Cohen blieb für mehrere Jahrzehnte auf Hydra. Zu diesem Thema finden sich viele interessante Infos und Fotos bei den Leonard Cohen Files.

Und es gibt sogar ein Interview mit Marianne Ihlen.

Siehe auch: Leonard Cohen “Das Lieblingsspiel”.

 

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