mord & totschlag

Coole Polizeifahrzeuge

Samstag, 24. Dezember 2011 von Ulli

Heute: Italien und Berlin.


Ein Fahrzeug der italienischen Policia Municipale, zusammen mit einem Beauty-Car, in dem Städtchen Trani, Apulien.

Und mit solchen coolen Käfern kurvte die Polizei in den Sechzigern durch West-Berlin.

siehe  zu Weihnachten ebenfalls: Schnittige Polizeifahrzeuge, und: Interessante Polizeiboote.

Über die Erzählperspektive

Samstag, 03. Dezember 2011 von Ulli

Richard Powers beschreibt in seinem Roman „Der Klang der Zeit“ eine Familie in New York: Der Vater ist ein emigrierter österreichischer Jude, der als Physiker arbeitet, die Mutter eine Farbige aus Philadelphia, die Kinder sind halbfarbige Halbjuden. Alle sind sehr musikalisch und musizieren immer und einer der Söhne macht denn auch eine große Karriere. Powers erzählt von marginalisierten, sozial ausgegrenzten Menschen, die aus ihrem Leben etwas – in vielerlei Wortsinn- Fantastisches machen.

Grass erzählt seine „Blechtrommel“ aus der Perspektive des Gnoms Oskar Matzerath. Böll schrieb immer aus der Perspektive der Opfer. Johnsons „Jahrestage“ sind ganz sicher „Geschichtsschreibung von unten“. Auch Peter Handkes Bücher gewinnen ihre Qualität nicht nur durch ihre herausragende Sprache. Ihre Helden laborieren an dem heutzutage aus dem öffentlichen Bewusstsein völlig verdrängten Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft: Sei es der Autor, der ganz alleine in seiner Pariser „Niemandsbucht“ lebt, sei es der Salzburger Apotheker, der alles stehen und liegen lässt und auf die Reise geht, sei es die Bankerfrau, die mit dem „Bildverlust“ die Kraft verliert, sich in ihr Leben zu integrieren.

So fangen alle Märchen an: Aschenputtel war einsam und verlassen…Hänsel und Gretel gingen in den Wald und gerieten in große Gefahr…

Demgegenüber erscheint die deutsche Gegenwartsliteratur wie das kulturelle Pendant zur FDP. Es spricht die saturierte Mittelschicht, es schreiben die Gewinner der Globalisierung. Hier ist niemand einsam und verlassen und es gerät auch keiner in Gefahr. Junge Autoren, im Wohlstand aufgewachsen, scheinbar von Natur aus auf der Gewinnerseite des Lebens positioniert, von Eltern und Lehrern gepampert, versehen mit einem endlos gestreicheltem Narzismus, jederzeit von allen Seiten in der Ansicht bestärkt, die Verlierer und Schwachen seien selbst schuld an ihrer Lage, seien Penner und Spinner, auf alle Fälle vollkommen uninteressant, mit creative writing technisch gestärkt, schreiben Bücher, die irgendwie witzig sind, damit sie beim Kunden ankommen. Manche erzählen auch davon, wie schlecht es der Mittelschicht ging, als sie noch unter der DDR-Knute darbte. Die Bessereren schildern immerhin, dass das Leben im ausweglosen Wohlstand trotz des für später erwarteten „Sommerhauses“ unter dem Strich frustriert. Die Sprachkünstler verirren sich in Manierismus: Ein Journalist erlebt mit einer schönen Meeresbiologin an der Adria „die große Liebe“, aber da der Autor kein schmutziges Wort in den Computer nehmen mag, beschreibt er die erotische Verzückung mit der Wohlstandsmetaphorik von teuren Restaurantbesuchen…

Siehe auch: Endlich ein brauchbares Weihnachtsgeschenk.

Heinrich von Kleist und das preußische Desaster

Montag, 12. September 2011 von Ulli

Bekanntlich nahm der Staat Preußen ein böses Ende: Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er von den allierten Siegermächten wegen seines Militarismus verboten. Und die preußische Adelskaste landete bis auf wenige Ausnahmen buchstäblich auf dem Kehrrichthaufen der Geschichte: Als Hitlers getreue Offiziere führte der preußische Adel die deutsche Wehrmacht bis nach Stalingrad und Kreta, bis zum Nordkap und in den Kaukasus und schließlich in den Untergang.

Heinrich von Kleist wurde 1777 in Frankfurt/Oder geboren und starb 1811 durch Selbstmord in Berlin. Er lebte in einer Zeit grundlegender Umbrüche, in der von Frankreich aus ein Sturm über Europa ging. Auch das alte, durch den aufgeklärten Absolutismus Friedrichs des Großen geprägte Preußen, wandelte sich damals zu einem Staat der bürgerlichen Moderne. Man muss sich vor Augen halten, dass Kleist am Puls seiner Zeit lebte: In die preußische Adelsklasse hineingeboren, nahm er als Kindersoldat an den Kriegen gegen das revolutionäre Frankreich teil und lebte er dann als junger Offizier in Potsdam, damals eine der modernsten Städte des Kontinents. Er ging längere Zeit nach Paris und in die Schweiz, wo er eine Art dichtender Aussteiger war. Zugleich verfolgte er mit heißem Herzen den Aufstieg Napoleons und den Niedergang Preußens. Nach der Niederlage von Jena und Auerstedt hatte er als preußischer Beamter in Königsberg Kontakt zum Kreis der Reformer um den Freiherrn vom Stein und Karl August von Hardenberg. Wieder in Berlin lebte er im Zentrum der historischen Entwicklungen, er gab sogar eine eigene Zeitung heraus. Und Kleist war sich der rasanten Zeitläufe bewusst: Die Zeit scheint eine neue Ordnung der Dinge herbeiführen zu wollen, und wir werden davon nichts, als bloß den Umsturz der alten erleben. (Brief an Pfuel, August 1806, zitiert nach: Peter Michalzig, Kleist – Dichter, Krieger, Seelensucher, Berlin, 2011, S.269)

Trotz, oder gerade auch wegen dieses pessimistischen Tons entwarf Kleist in seinen Theaterstücken und Novellen nahezu prophetische Ausblicke auf die Aporien der heraufziehenden bürgerlichen Moderne. Man kann an die Hybris des Michael Kohlhaas erinnern, an den Geschlechterkampf der Phentesilea, an die bis dahin ungelesene Ästhetisierung der Gewalt an vielen Stellen seines Werkes oder an die totalitäre Vernichtungswut der Hermannsschlacht. Wie also konzipiert Kleist die Moderne? Was macht seine grandiose Besonderheit aus?

Schloss Neuhardenberg, Märkisch-Oderland, Brandenburg

Kleists Biograph Michalzig weist darauf hin, dass er mit seinem Denken seiner Zeit so weit voraus war, dass ihm häufig die richtigen Begriffe fehlten. So spricht Kleist von „Bildung“, meint jedoch nichts anderes als eine radikale Selbstentfaltung des Individuums (a.a.O. S.11). Im Michael Kohlhaas, der wegen einer vergleichsweise kleinen Kränkung (es geht um ein paar Pferde, die ihm beim Grenzübertritt nach Sachsen willkürlich weggenommen werden) völlig außer Rand und Band gerät (es fängt einen blutigen Bürgerkrieg an und brennt ohne jede Hemmung die Stadt Wittenberg nieder), demonstriert er die Hybris eines scheinbar ganz auf sich selbst gestellten und nur sich selbst gegenüber verantwortlichen Individuums. So ist die Novelle eine der hellsichtigsten Analysen des modernen Terrorismus – ein intellektuell und emotional ausgesprochen mittelmäßiger Zeitgenosse glaubt sich aus der Gemeinschaft des Staates…verstoßen (Kleist, Michael Kohlhaas) und nimmt Recht und Gewalt in seine eigene Hand. Gänzlich in seine Raserei verstrickt unterzeichnet er mit: gegeben auf dem Sitz unserer provisorischen Weltregierung.

Für die andere Seite der bürgerlichen Modernisierung, für die Herausbildung demokratischer und rechtsstaatlicher Institutionen, ist Kleist nämlich weitgehend blind. Das ist kein Wunder, denn in Preußen gab es diese Institutionen ja auch nicht. Nachdem Kohlhaas seine Pferde weggenommen wurden, versucht er es zuerst mit Eingaben beim preußischen Kurfürsten, doch gegen die feudale Günstlingswirtschaft kommt er nicht an. Seine geliebte Frau wird von einem Soldaten in einem Unglück getötet und auch hier greift kein bürgerliches Recht. Kleist kannte zwar Frankreich, nahm dort aber nur das Chaos der Revolution war. Mit dem rechtsstaatlichen Großbritannien oder den neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika hat er sich nicht beschäftigt. In der Herrmannschlacht, einer Art Propagandastück gedacht für den preußischen Befreiungskampf gegen Napoleon, entwirft Kleist seine Definition von Freiheit: Es soll eine Art totaler Guerillakrieg geführt werden und Hermann fragt: wollt ihr…verheeren eure Fluren, eure Herden erschlagen, eure Plätze niederbrennen (Kleist, Herrmannschlacht, I.Akt, 3.Auftritt). Die Germanen sind entsetzt: Das eben, Rasender, ist es ja, was wir verteidigen wollen. (a.a.0.). Hermann antwortet cool: Nun denn, ich glaubte, eure Freiheit wärs. (a.a.0.) Man wird Kleist nicht zu nahe treten, wenn man sich hier an die Taliban erinnert fühlt. Mit unserem heutigen, rechtsstaatlichen Freiheitsbegriff hatten Kleist Fantasien nichts zu tun.

Meine These: Kleist Hellsichtigkeit gegenüber den Nachtseiten der Moderne, sein tiefes Verständnis von Terrorismus und Totalitarismus (Michalzik, S.375), gründen darin, dass er Modernisierung ausschließlich von der Emanzipation des Individuums her konzipiert. Die Entwicklung von Demokratie und Rechtsstaat kommt gar nicht vor. In seinen Werken läuft das durch gar nichts mehr regulierte Individuum in seiner eigenen Hybris Amok. Es sind die preußischen Prämissen seines Denkens – dass sich hier die bürgerliche Moderne im Zusammenspiel mit einem autoritären Staat entfaltete und Demokratie bedeutungslos war – , die seinen grandiosen Blick auf die Nachtseite der bürgerlichen Welt erst ermöglichten.

siehe auch: Heinrich von Kleist: Polizeibericht aus dem Charlottenburg des Jahres 1810.

Ein schöner Sommerthriller: “Berliner Blut”

Mittwoch, 29. Juni 2011 von Ulli

…Sie stieg wieder mit aller Kraft auf die Bremse, sie zog sogar noch die Handbremse an, und der Wagen schlit­terte über die Fahrbahn. Ein Schuss löste sich, und Birgit Allenare schrie gellend auf. Der Mercedes drehte sich mehrmals um die eigene Achse, bevor er gegen ein entgegen­kommenden VW-Bus knallte und endgültig zum Stehen kam.

Mannheim und der Blonde rangen noch immer miteinander, aber dem Kommissar war es gelungen, seinen Gegner mehr oder weniger unter sich zu begraben. Er hatte die Waffe am Lauf ge­packt und hielt die Mündung in Richtung des Wagendachs gerich­tet.

Ein zweiter Schuss krachte, und Mannheim hatte für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl, die Hände würden ihm abgerissen. Dann spürte er einen sehr heißen Schmerz in seiner linken Schulter und stellte mit einer gewissen Verblüffung fest, dass eine warme, klebrige Flüssigkeit seine Brust und seinen linken Arm hinunter lief…

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Verfluchter Ischias

Samstag, 25. Juni 2011 von Ulli

Der neue Gerontothriller (für jung und alt)

…als Hans Hallert an diesem Morgen erwachte, kam er nicht hoch. Jede Bewegung verursachte ihm unendliche Schmerzen. Der Ischiasnerv war wieder einmal eingeklemmt. Hallert biss die Zähne zusammen. Kalte Wut kochte in ihm. Seine Hand tastete zum Nachttisch, öffnete die Schublade und ergriff den aus Furcht vor Einbrechern immer geladenen Trommelrevolver. Doch niemals war ein Einbrecher gekommen. Der silberhaarige Mann spannte den Hahn, drehte sich mühsam auf den Bauch, drückte den Lauf der Waffe gegen seinen unteren Rücken: Genau da, wo es schmerzte.

Verfluchter Ischias, zischte er durch die Zähne. Dir zeige ich es…

James-Joyce-Tag

Mittwoch, 15. Juni 2011 von Ulli

Vor genau 107 Jahren, am 16.Juni.1904, spielt der Ulysses von James Joyce, ohne Zweifel eine der bedeutendsten epischen Dichtungen überhaupt, zudem ein herausragendes Werk der klassischen Moderne. In seinem Text lehnt Joyce sich an Konstruktion und Geschichte von Homers Epos an: Dem homerischen Odysseus entspricht der Dubliner Werbekaufmann Leopold Bloom, der Penelope seine Frau Molly und dem Telemachos der junge Stephan Dedalus, der bereits im „Porträt des Künstlers als junger Mann“ in Erscheinung tritt. Ulysses beginnt wie das Homer’sche Vorbild mit den Geschicken des Sohnes Stephen und beschreibt dann die Odyssee Leopold Blooms durch die Stadt Dublin. Er startet am frühen Morgen und endet spät in der Nacht.

Tatsächlich begann der Ire Joyce, der im selbstgewählten Exil in Rom, Triest und Zürich lebte, seinen Roman, um sich an einigen Menschen in Dublin zu rächen. Er fühlte sich übel behandelt und wollte seine Gegner gnadenlos bloßstellen, in seinen Briefen wimmelt es von entsprechenden Drohungen. Doch im Lauf der Jahre und unter der hellen Sonne des Mittelmeers wandelte sich alles: Ulysses, abgeschlossen während des Ersten Weltkriegs, wurde zu einer Utopie der Moderne und des 20.Jahrhunderts.

Am 16.Juni.1904 lernte Joyce übrigens seine spätere Frau Nora kennen. Für Zahlenspielerei und Zahlenmystik hatte der geniale Savant Joyce einen großen Sinn. Der Roman kann in drei große Teile gegliedert werden. Das erste Kapitel eines solchen Teils ist stets in realistischer Manier geschrieben:

Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppenaustritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen. Ein gelber Schlafrock mit offenem Gürtel bauschte sich leicht hinter ihm in der milden Morgenluft. (James Joyce, Ulysses, Frankfurt, 1975, S.7)

Nur dann und wann sind Gedankensplitter der Hauptperson eingebettet. Dieser innere Monolog nimmt dann immer mehr Raum ein. Das letzte Kapitel eines solchen Hauptteils präsentiert nur noch einen großen, an die phänomenologische Philosophie Edmund Husserls, gemahnenden Bewusstseinstrom:

Unausweichliche Modalität des Sichtbaren: zum mindesten dies, wenn nicht mehr, gedacht durch meine Augen. Die Handschrift aller Dinge bin ich hier zu lesen, Seelaich und Seetang, die nahende Flut, den rostigen Stiefel dort. Rotzgrün, Blausilber und Rost: gefärbte Zeichen… (a.a.O. S.53)

Zudem teilt der Ulysses sich auch in zwei Hälften. Genau zur Mitte des Textes nämlich geht Blooms Frau Molly, anders als Odysseus Penelope, fremd. Nicht nur Bloom dreht bei dieser Vorstellung ein bisschen durch, die Sprache des Romans selbst scheint zu explodieren. Sie benimmt sich so ähnlich wie die Farbe in den Bildern Vincent van Goghs: Die Emanzipation der Form gegenüber dem Inhalt zu einem autonomen Ausdrucksmittel ist eine Essenz der modernen Kunst.

Von all dem sollte man sich aber nicht beirren lassen. Am besten beginnt man die Lektüre nicht am Anfang des Buches, sondern mit Kapitel IV, mit dem ersten Auftreten von Leopold Bloom. Bloom, der nahezu ununterbrochen an Sex und an Essen denkt, ist ein mit großem Humor begabter Mensch (Nora Joyce berichtete, dass ihr Mann bei der Niederschrift des Ulysses laufend über seine eigenen Witze lachte) und die Lektüre seines Tages ein einziges Vergnügen. Das Kapitel fängt damit an, dass Mr. Bloom für sich und seine Gattin Frühstück zubereitet. Das erste Lebewesen, mit dem er es zu tun hat, ist seine Katze:

Eiskalt waren Licht und Luft in der Küche, doch draußen überall linder Sommermorgen…

- Mkgnau!

- Ah, da bist du ja, sagte Mr. Bloom, sich vom Feuer wendend.

Die Katze maunzte eine Antwort und stakte wieder steif um ein Tischbein, maunzend. Just wie sie über meinen Schreibtisch stakt. Prr. Kraul mir den Kopf. Prr.

Mr. Bloom beobachtete neugierig, freundlich, die geschmeidige Gestalt. Sauberer Anblick: der Glanz ihres glatten Fells, der weiße Knubbel unter dem Knauf ihres Schwanzes, die grünen blitzenden Augen. Er bückte sich zu ihr hinab, die Hände auf den Knien.

- Milch für das Pussilein, sagte er.

- Mrkgnau! schrie die Katze. (a.a.O. S.77)

Also: Man schmeiße die üblichen Bestseller weit von sich und lese lieber James Joyce!

Neue Rezension “Berliner Macht”

Mittwoch, 08. Juni 2011 von Ulli

Ada Mitsou hat meinen letzten Krimi gelesen. Sie schreibt:

Berlin-Wedding: Schon seit Tagen nimmt die Polin Magdalena Grojec einen unangenehmen Geruch aus der Wohnung ihres Nachbarn wahr. Besorgt alarmiert sie die Polizei und was zunächst nur eine vage Vermutung gewesen ist, wird nun zur erschreckenden Wahrheit: Markus Keppel wird halb verwest in seiner Wohnung aufgefunden…Eine heiße Spur führt aus dem ärmlichen Wedding in die höchsten Kreise der Berliner Gesellschaft…

Ullrich Wegerichs Trumpf ist nicht das Perverse oder eine überaus actionreiche Handlung, sondern die Nähe zum Leser. Die Figuren aus seinem Krimi könnten unsere Nachbarn sein und der Handlungsort ist vielen von uns bekannt…Mich konnten vor allen Dingen der angenehme Schreibstil sowie die Nähe zum Leser überzeugen.

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Sie auch: Textprobe “Berliner Macht”.

Heinrich von Kleist – Hundebeißerei aus dem Charlottenburg des Jahres 1810.

Samstag, 28. Mai 2011 von Ulli

Der große Heinrich von Kleist gab im Jahre 1810 die „Berliner Abendblätter“ heraus, zu denen er auch viele Beiträge selbst schrieb. Mit ihrer Themenbreite von „Betrachtungen über den Weltlauf“ bis hin zu Ausführungen „Über den Zustand der Schwarzen in Amerika“, von Theater- und Kunstkritiken bis zu satirischen Ideen über eine „Granatenpost“, waren diese „Abendblätter“ nicht weniger als der erste Versuch einer Boulevardzeitung auf deutschem Boden. Wie immer war Kleist seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Zudem raunzte er hemmungslos einflussreiche Zeitgenossen an, wie etwa den damaligen Regie- und Theaterstar Iffland, und kam auch der preußischen Zensur ins Gehege. So ging er schon bald wieder pleite.

Unter den Polizeiberichten vermeldet er am 9.Oktober 1810 eine Geschichte, die auch den heutigen Einwohner von Berlin-Charlottenburg noch amüsieren kann. Charlottenburg war damals kaum mehr als ein märkisches Dorf mit einem königlichen Schloss:

Am 3.d.M hat sich in Charlottenburg ein fremder Hund mit einem Stricke um den Hals eingefunden und ist, nachdem er sich mit mehreren Hunden gebissen hatte und aus mehreren Häusern verjagt war, auf dem Hofe des Herrn Geh. Kommerz. Rat Pauli geraten. Daselbst wurde er von sämtlichen Hunden angefallen, und weil er sich mit ihnen herumbiss, so hielt man ihn für toll, erschoß ihn und alle Paulische, von ihm gebissenen Hunde und begrub sie ehrlich. Dieses Faktum hat zu dem Gerücht Anlaß gegeben, daß in Charlottenburg ein toller Hund Menschen und Vieh gebissen habe. Menschen sind gar nicht gebissen, das Vieh aber, das er biß, ist teils getötet und begraben, teils in Observation gesetzt. Zudem, da er sich gutwillig aus mehreren Häusern verjagen ließ, ist nur zu wahrscheinlich, daß der Hund gar nicht toll gewesen.

(zitiert nach, Heinrich von Kleist, Sämtliche Werke, Ausgabe des Bertelsmann Leserings, also wohl in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts)

siehe auch: Heinrich von Kleist – “Das Erdbeben in Chili” – Die soziale Dynamik einer Katastrophe.

Schauergeschichte

Freitag, 13. Mai 2011 von Ulli

Die drei Schwestern wohnten seit langem in jenem Haus am Rand des Dorfes. Sie lebten sehr unauffällig und zurückgezogen. Niemand hatte das Verschwinden der beiden Landstreicher je mit ihnen in Verbindung gebracht. Auch die Morde an den Touristen, deren abgehackte Körperteile man später oben im Wald gefunden hatten, waren unaufgeklärt geblieben: Hände, Beine, Füße und Geschlechtsteile waren während der herbstlichen Trüffelsuche unter dem Laub entdeckt worden. Doch alles änderte sich an jenem scheinbar so friedlichen Sommerabend…

siehe auch: Textprobe “Berliner Blut”.

Interessante Polizeiboote

Donnerstag, 21. April 2011 von Ulli

Heute: Die Berliner Wasserschutzpolizei auf der Spree.

Wenn der Frühling kommt und das Eis taut, schweift auch die Wasserschutzpolizei wieder aus. Im Kreuzberger Landwehrkanal, der von Zeit zu Zeit ausgebaggert wird, findet man dann rostige Schusswaffen, Messer und sogar ganze aufgeschweißte Tresore. Hier auf der Spree im heimatlichen Charlottenburg geht es jedoch viel friedlicher zu. Die Sonne scheint und auch die Fische beißen nur selten. Im Hintergrund sieht man den Turm des Rathauses.

siehe auch: Schöne Polizeifahrzeuge.

 

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