berliner mord & totschlag

Herbststory

…Am Morgen ging der Jäger auf Kürbisjagd. Bereits im ersten Frühnebel saß er auf seinem Hochsitz und beobachtete die Lichtung. Die Kürbisse hatten gerade Brunftzeit und schon nach kurzer Zeit war aus dem Walde lautes Grollen und gefährliches Grummeln zu vernehmen und rollten zwei mächtige Kürbisse mit gewaltigem Getöse, Geschnaufe und Geschnarre auf die Lichtung. Zuerst plusterten sie sich in wüsten und übelsten Drohgebärden auf, so dass es eine wahre Schande war, und schon nach kurzer Zeit prügelten und rumpelten sie laut schnaufend aufeinander ein. Wie brünstige Hirsche prallten, rammten und knallten die Kürbisse gegeneinander an. Es war ein seltenes Schauspiel, das nur wenige Menschen jemals zu sehen bekommen. Doch der Jäger, der ja kein Naturfilmer war, hob kaltherzig sein Gewehr. Er zielte sorgfältig, bevor er abdrückte. Alles kam darauf an, den Kürbis, den er ins Visier genommen hatte, nur oben am Stil zu treffen, so dass das saftige Fleisch nicht verletzt wurde. Der Jäger feuerte und der Kürbis sackte tot zu Boden. In panischer Angst nach Luft japsend rollte der andere Kürbis davon und verschwand im dichten Unterholz.

Das wäre geschafft“, sagte der Jäger fröhlich und rieb sich die Hände. Er fuhr den Kürbis auf seiner Schubkarre nach Hause, wo seine Frau ihn ausnahm und die Kerne entfernte. Aus denen würde sie noch dunkles Öl pressen. Dann pflückte sie vom Schnitzelbaum im Garten zwei Koteletts. Sie briet den Kürbis in Olivenöel mit Knoblauch und Petersilie. Die frisch gepflückten Koteletts briet sie kurz und feurig durch.

Du hast aber einen tollen Kürbis erwischt“, sagte sie anerkennend zu ihrem Mann, als sie beim Abendessen saßen. „Ja“, antwortete er stolz, „das war einmal ein wahres Jägerglück.“ Zum Kürbis reichte sie Spaghetti, die sie allerdings beim Discounter gekauft hatte. Seit einiger Zeit waren die freilebenden Spagetti immer weniger geworden. Aber die Zuchtspaghetti aus dem Geschäft schmeckten auch recht lecker…

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Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 28. Oktober 2015 um 17:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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