Heute: Italien und Berlin.
Ein Fahrzeug der italienischen Policia Municipale, zusammen mit einem Beauty-Car, in dem Städtchen Trani, Apulien.
Und mit solchen coolen Käfern kurvte die Polizei in den Sechzigern durch West-Berlin.
siehe zu Weihnachten ebenfalls: Schnittige Polizeifahrzeuge, und: Interessante Polizeiboote.
Richard Powers beschreibt in seinem Roman „Der Klang der Zeit“ eine Familie in New York: Der Vater ist ein emigrierter österreichischer Jude, der als Physiker arbeitet, die Mutter eine Farbige aus Philadelphia, die Kinder sind halbfarbige Halbjuden. Alle sind sehr musikalisch und musizieren immer und einer der Söhne macht denn auch eine große Karriere. Powers erzählt von marginalisierten, sozial ausgegrenzten Menschen, die aus ihrem Leben etwas – in vielerlei Wortsinn- Fantastisches machen.
Grass erzählt seine „Blechtrommel“ aus der Perspektive des Gnoms Oskar Matzerath. Böll schrieb immer aus der Perspektive der Opfer. Johnsons „Jahrestage“ sind ganz sicher „Geschichtsschreibung von unten“. Auch Peter Handkes Bücher gewinnen ihre Qualität nicht nur durch ihre herausragende Sprache. Ihre Helden laborieren an dem heutzutage aus dem öffentlichen Bewusstsein völlig verdrängten Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft: Sei es der Autor, der ganz alleine in seiner Pariser „Niemandsbucht“ lebt, sei es der Salzburger Apotheker, der alles stehen und liegen lässt und auf die Reise geht, sei es die Bankerfrau, die mit dem „Bildverlust“ die Kraft verliert, sich in ihr Leben zu integrieren.
So fangen alle Märchen an: Aschenputtel war einsam und verlassen…Hänsel und Gretel gingen in den Wald und gerieten in große Gefahr…
Demgegenüber erscheint die deutsche Gegenwartsliteratur wie das kulturelle Pendant zur FDP. Es spricht die saturierte Mittelschicht, es schreiben die Gewinner der Globalisierung. Hier ist niemand einsam und verlassen und es gerät auch keiner in Gefahr. Junge Autoren, im Wohlstand aufgewachsen, scheinbar von Natur aus auf der Gewinnerseite des Lebens positioniert, von Eltern und Lehrern gepampert, versehen mit einem endlos gestreicheltem Narzismus, jederzeit von allen Seiten in der Ansicht bestärkt, die Verlierer und Schwachen seien selbst schuld an ihrer Lage, seien Penner und Spinner, auf alle Fälle vollkommen uninteressant, mit creative writing technisch gestärkt, schreiben Bücher, die irgendwie witzig sind, damit sie beim Kunden ankommen. Manche erzählen auch davon, wie schlecht es der Mittelschicht ging, als sie noch unter der DDR-Knute darbte. Die Bessereren schildern immerhin, dass das Leben im ausweglosen Wohlstand trotz des für später erwarteten „Sommerhauses“ unter dem Strich frustriert. Die Sprachkünstler verirren sich in Manierismus: Ein Journalist erlebt mit einer schönen Meeresbiologin an der Adria „die große Liebe“, aber da der Autor kein schmutziges Wort in den Computer nehmen mag, beschreibt er die erotische Verzückung mit der Wohlstandsmetaphorik von teuren Restaurantbesuchen…
Siehe auch: Endlich ein brauchbares Weihnachtsgeschenk.