Der große Heinrich von Kleist gab im Jahre 1810 die „Berliner Abendblätter“ heraus, zu denen er auch viele Beiträge selbst schrieb. Mit ihrer Themenbreite von „Betrachtungen über den Weltlauf“ bis hin zu Ausführungen „Über den Zustand der Schwarzen in Amerika“, von Theater- und Kunstkritiken bis zu satirischen Ideen über eine „Granatenpost“, waren diese „Abendblätter“ nicht weniger als der erste Versuch einer Boulevardzeitung auf deutschem Boden. Wie immer war Kleist seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Zudem raunzte er hemmungslos einflussreiche Zeitgenossen an, wie etwa den damaligen Regie- und Theaterstar Iffland, und kam auch der preußischen Zensur ins Gehege. So ging er schon bald wieder pleite.
Unter den Polizeiberichten vermeldet er am 9.Oktober 1810 eine Geschichte, die auch den heutigen Einwohner von Berlin-Charlottenburg noch amüsieren kann. Charlottenburg war damals kaum mehr als ein märkisches Dorf mit einem königlichen Schloss:
Am 3.d.M hat sich in Charlottenburg ein fremder Hund mit einem Stricke um den Hals eingefunden und ist, nachdem er sich mit mehreren Hunden gebissen hatte und aus mehreren Häusern verjagt war, auf dem Hofe des Herrn Geh. Kommerz. Rat Pauli geraten. Daselbst wurde er von sämtlichen Hunden angefallen, und weil er sich mit ihnen herumbiss, so hielt man ihn für toll, erschoß ihn und alle Paulische, von ihm gebissenen Hunde und begrub sie ehrlich. Dieses Faktum hat zu dem Gerücht Anlaß gegeben, daß in Charlottenburg ein toller Hund Menschen und Vieh gebissen habe. Menschen sind gar nicht gebissen, das Vieh aber, das er biß, ist teils getötet und begraben, teils in Observation gesetzt. Zudem, da er sich gutwillig aus mehreren Häusern verjagen ließ, ist nur zu wahrscheinlich, daß der Hund gar nicht toll gewesen.
(zitiert nach, Heinrich von Kleist, Sämtliche Werke, Ausgabe des Bertelsmann Leserings, also wohl in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts)
siehe auch: Heinrich von Kleist – “Das Erdbeben in Chili” – Die soziale Dynamik einer Katastrophe.
Die drei Schwestern wohnten seit langem in jenem Haus am Rand des Dorfes. Sie lebten sehr unauffällig und zurückgezogen. Niemand hatte das Verschwinden der beiden Landstreicher je mit ihnen in Verbindung gebracht. Auch die Morde an den Touristen, deren abgehackte Körperteile man später oben im Wald gefunden hatten, waren unaufgeklärt geblieben: Hände, Beine, Füße und Geschlechtsteile waren während der herbstlichen Trüffelsuche unter dem Laub entdeckt worden. Doch alles änderte sich an jenem scheinbar so friedlichen Sommerabend…
siehe auch: Textprobe “Berliner Blut”.