mord & totschlag

Interessante Polizeiboote

Donnerstag, 21. April 2011 von Ulli

Heute: Die Berliner Wasserschutzpolizei auf der Spree.

Wenn der Frühling kommt und das Eis taut, schweift auch die Wasserschutzpolizei wieder aus. Im Kreuzberger Landwehrkanal, der von Zeit zu Zeit ausgebaggert wird, findet man dann rostige Schusswaffen, Messer und sogar ganze aufgeschweißte Tresore. Hier auf der Spree im heimatlichen Charlottenburg geht es jedoch viel friedlicher zu. Die Sonne scheint und auch die Fische beißen nur selten. Im Hintergrund sieht man den Turm des Rathauses.

siehe auch: Schöne Polizeifahrzeuge.

Alles nur Altherrenphantasien – Zu Philip Roth „Demütigung“.

Freitag, 15. April 2011 von Ulli

Mir war die Bewunderung, die Roths Büchern entgegengebracht wird, schon immer schleierhaft (siehe etwa: Philip Roth, Demütigung, München, 2010, S. 140ff). Was produziert dieser Autor genau? In „Demütigung“ lernen wir zunächst Simon Axler, eine typische Philip-Roth-Figur, kennen, die sich durch drei Eigenschaften auszeichnet: Axler ist ein alter Mann. Axler ist reich. Axler ist ein bedeutender Kulturträger. Zur Abwechslung von anderen Romanen des Autors ist er aber weder Wissenschaftler noch Schriftsteller, sondern Großschauspieler, unter anderem für Shakespeare (kleiner geht’s halt nicht). Axler befindet sich in einer Krise, denn er kann nicht mehr spielen: Weder Prospero noch Macbeth, weder Peer Gynth noch Onkel Wanja (tolles namedropping). Was das alles genau bedeutet, bleibt unklar, es geht Axler aber so schlecht, dass er eine Zeitlang sogar in einer Nervenklinik landet. Er hat auch eine Frau, die Roth aber rasch mit dürren Worten nach Kalifornien entsorgt: „…und damit war wieder eine der Millionen Geschichten über unglücklich miteinander verbundene Männer und Frauen beendet.“(a.a.O. S.30)

Denn nun tritt eine weitere typische Philip-Roth-Figur auf: Die junge, intellektuell begabte Sexbombe. Pegeen ist die fünfundzwanzig Jahre jüngere Tochter eines befreundeten Schauspielerpaares. Allerdings ist sie nicht nur ein heißer Feger, sondern auch noch lesbisch. Doch das ist kein Hindernis, sondern eher ein Grund, sie mal richtig flachzulegen, ein ordentlicher Kerl muss ran und Axler ist da genau der Richtige. Bislang war Pegeen mit einer Frau liiert, die sich nun aber zu einem Mann umoperieren lassen will, und für einen Augenblick glaubte ich, der Roman thematisiere nun tatsächlich die heutige Welt der postmodernen Wirrnis und Freiheit. Aber alles läuft so spießig und autoritär ab wie in den Fünfzigern: Axler verwandelt die „geschmeidige, vollbrüstige Frau“ (a.a.O. S.52) in eine Art Playmate. Er kauft ihr eine Jacke für „tausend Dollar“ (a.a.O. S.60), außerdem „Halsketten, Armbänder und Ohrringe…luxuriöse Wäsche…kleine Babydolls aus Satin“ und „kniehohe Stiefel.“ (a.a.O. S.61) Da gehen dem alten Lüstling Herz und Hose auf. Beziehungsprobleme verhandeln vor allem den Altersunterschied des Paares (auch Berlusconi hat da ja seine liebe Müh). Bei Philip Roth lebt man im Landhaus, unterrichtet an Universitäten, fährt gelegentlich zum Luxusshoppen nach New York – alles spielt sich in der Welt der Reichen und Kulturschönen ab.

Um die Story voranzutreiben, tischt der Autor nun eine weitere Platitüde auf: Die junge Frau als männermordenden Vamp. Pegeen war mit der Dekanin ihrer Uni liiert, sie hatte aber eigentlich nur mit ihr gevögelt, um den Job zu bekommen (die alte Schlampe), und diese Dame taucht nun im Landhaus auf und spielt die Eifersüchtige. Doch das ist nur ein dramaturgisches Vorgeplänkel. Als Höhepunkt reißen Axler und Pegeen in einer Bar eine betrunkene „vollbusige, üppige Blondine“ (a.a.O. S.109) auf, fahren sie ins Landhaus und vernaschen sie in einer SM-Orgie, bei der Pegeen mit Peitsche und Dildo die führende Rolle übernimmt.

Durch diese Orgie wird Axler wie neu (SM ist eben besser als Malen mit Buntstiften in der Psychotherapie (a.a.O. S.22f)): Seine Schaffenskrise ist vorbei und er will auf seine alten Tage noch einmal Vater werden. Allerdings fragt er die auserwählte Pegeen nicht, was sie eigentlich von dieser Idee hält, sondern legt gleich los mit dem Pläneschmieden. Als dann herauskommt, dass Pegeen anderes vorhat, bringt er sich um (Es musste ja böse enden).

Was bleibt, wenn man das großkulturelle High Society Geschwurbel wegnimmt, wenn der Kaiser keine Kleider mehr trägt? Ein alter Mann hat eine Liebesgeschichte mit einer jungen Frau, möchte noch einmal Vater werden, doch sie will nicht. Na schön. Bekanntlich gibt es eine Differenz zwischen dem Ich und der Außenwelt und vielleicht hätte Axler ein bisschen mehr auf diese Außenwelt lauschen sollen. Die Dinge laufen eben nicht immer so, wie wohlhabende alte Männer es gerne hätten. Ist das alles nun tragisch oder närrisch? Viele ältere Herren stehen auf junge Frauen, und zugleich stellen sie ein zahlungskräftiges und kulturbeflissenes Publikum dar. Ohne Zweifel kann Roth glänzend schreiben. Er ist aber eben auch ein Blender, der die immergleiche erotische Phantasie mit einem Flair von Pseudotragik und Pseudointellektualität aufbläst. Wer Spaß daran hat, soll das lesen, man sollte es aber nicht für große Literatur halten. Aber bekanntlich wurde ja auch der Playboy immer nur seiner guten Artikel wegen gekauft.

 

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