… Das wird ihm nicht viel nutzen, sagte Birgit Allenare zu Johannes von Blaustücken. Der Verletzte lag in seinem Krankenhausbett und starrte ins Leere. – In ein paar Tagen nehmen wir Ihren Bruder fest.
- Das ich nicht lache, antwortete er. Sie haben ja noch nicht einmal eine Ahnung, worum es in diesem dreckigen Spiel überhaupt geht.
- Worum geht es denn? Ihrer Meinung nach.
Johannes Blaustücken ließ ein blechernes Lachen hören. – Wenden Sie sich doch an das Innenministerium! Oder gleich ans Kanzleramt!
- Sie sind größenwahnsinnig…
…ist der Roman Berliner Macht. Der Weblog Wedding krass bescheinigt ihm „das pralle Leben“ und die Berliner Bücherstadt spricht von einem “ziemlichen Potential“. Deutsche-Krimiautoren.de zieht das Fazit: „Machtpoker in der Hauptstadt. Lesenswert!“ Der Roman ist ein nettes Geschenk für alle, die unsere heutigen neoliberalen Zustände mit kritischem Verstand ansehen. Es folgt ein Ausschnitt:
Anne-Sophie Wagner hatte zwölf Stunden gearbeitet. Es war bereits nach zweiundzwanzig Uhr, als die rothaarige junge Frau an der Spree entlang in Richtung S-Bahnhof Friedrichstraße schlenderte. Die warme Luft schmeichelte ihrer Haut. Nach einer scheinbar endlosen Frühlingskälte war vor einer Woche plötzlich der Sommer nach Berlin gekommen.
Anne-Sophie war glücklich. Obwohl sie Kopfschmerzen von der langen Zeit im Büro und vom Protokollieren der vielen Meetings hatte. Sie hatte ihre Stelle seit einem guten halben Jahr, zunächst als Praktikantin, aber seit drei Monaten besaß sie einen festen Vertrag als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Anne-Sophie fand es gar nicht mehr außergewöhnlich, morgens und abends am Reichstag vorbei zu gehen oder das Paul-Löbe-Haus zu betreten. In ihrer ersten Arbeitswoche war sie vor Respekt nahezu erstarrt, sie hatte kaum laut zu sprechen gewagt. Aber inzwischen kannte sie den Betrieb…
Anne-Sophie Wagner ging am Gebäude des Fernsehsenders ARD vorbei, direkt am Spreeufer. Vor dem Café standen Tische und Stühle, an denen dutzende Leute saßen und den milden Abend genossen. Sie erkannte zwei Journalisten. Sie spielte mit dem Gedanken, selbst einen Cappuccino zu trinken. Aber dann entschied sie sich, doch lieber nach Hause zu fahren. Sie hatte morgen noch einmal einen langen Tag vor sich.
Und sie hoffte auf das kommende Wochenende.
Sie hatten gestern Nachmittag miteinander telefoniert und er war deutlich zurückhaltend gewesen…
Anne-Sophie ging am ehemaligen Tränenpalast vorbei, betrat den Bahnhof Friedrichstraße und fuhr mit der Rolltreppe nach oben zum Bahnsteig. Sie musste einen Moment warten, dann fuhr die S-Bahn Richtung Zoo ein. Am Zoo stieg sie in die U-Bahn Richtung Moabit um. In ihren ersten Tagen hatte sie sogar das U-Bahnnetz verwirrt. Aber inzwischen war sie Profi. Natürlich würde sie nicht auf alle Zeiten in Moabit wohnen. Sie hätte gerne im Bezirk Prenzlauer Berg gewohnt. Oder in Mitte. Das würde sich alles finden. Sie hatte ein gutes Gefühl. Sie hatte den Eindruck, dass das Eis brach.
Sie stieg am U-Bahnhof Turmstraße aus und spazierte zur Krefelder Straße. Beschwingt stieg sie die Treppe nach oben, sie wohnte in der dritten Etage. Als sie die Wohnungstür öffnete, stellte sie erstaunt fest, dass sie am Morgen vergessen hatte, abzuschließen – jedenfalls war die Tür nur ins Schloss gezogen. Naja, sie war ein bisschen spät dran gewesen und hatte auf den Kaffee verzichtet.
Anne-Sophie spürte auf einmal, wie hungrig sie war. Sie lief zum Kühlschrank und öffnete ihn: Sie hatte noch Ziegenkäse, Tomaten, eingelegte Weinblätter und Oliven. Auch eine halbe Flasche Chablis war noch da. Sie räumte alles auf den Küchentisch, öffnete das Fenster, um die Wärme und die Geräuschkulisse ihres Hinterhofs hereinzulassen und schnitt sich eine Scheibe Vollkornbrot ab. Sie wollte gerade den CD-Player anstellen, als sie das Geräusch hörte.
Es war eine Art Scharren. Dann hörte sie Schritte. Die Schritte kamen aus dem Flur oder aus dem Wohnzimmer.
Anne-Sophie erstarrte. Sie legte das Brot auf den Tisch und lauschte, wagte kaum zu atmen.
Wieder hörte sie ein leises Scharren. Jemand hatte in ihrer Wohnung auf sie gewartet. Deshalb war die Tür nur ins Schloss gezogen gewesen.
Die Hand der jungen Frau wanderte langsam zu dem großen Messerblock, der auf der Arbeitsplatte neben der Spüle stand. Sie spürte, wie ihr Herz schlug…
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