mord & totschlag

Schnittige Polizeifahrzeuge

Donnerstag, 26. August 2010 von Ulli

Heute: Berlin.

Mit diesen schicken Mercedes Limousinen fuhr früher die Westberliner Polizei durch die Stadt.

Das Fahrzeug wurde ausgestellt während des Festtages zu “100 Jahre Polizei am Sophie-Charlotte-Platz” in Berlin-Charlottenburg am 4. Juli 2010. Es war ein heißer Sommertag und man konnte anschließend noch zum Baden gehen.

siehe auch: Schöne Polizeifahrzeuge.

Leonard Cohen: “Das Lieblingsspiel”

Donnerstag, 12. August 2010 von Ulli

Ein Porträt des Künstlers als junger Mann.

Leonard Cohens erster, autobiographisch geprägter Roman „Das Lieblingsspiel“ führt zurück in die fünfziger und frühen sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er erzählt von dem aus begüterter jüdischer Montrealer Familie stammenden jungen Poeten Lawrence Breavman, von der Geschichte seines Erwachsenwerdens, die sich an einer Reihe von erotischen Begegnungen festmacht. Er führt aber auch zurück in die Zeit, als der Künstler Leonard Cohen und die Grundideen seiner Arbeit sich erst herausbildeten. Authentische Selbstdarstellung und Selbstmythologisierungen gehen im Roman Hand in Hand.

„The Favorite Game“ ist ein früher Beleg für Cohens ästhetische Gestaltungskraft. Wie ist der Text also konstruiert? Er besteht aus der Chronologie von vier, etwa gleich großen „Büchern“. Zugleich wählt Cohen aber auch die Form der Rückblende. Der Roman beginnt mit dem Satz: „Breavman kennt ein Mädchen namens Shell, deren Ohren durchbohrt wurden, damit sie Filigranohrringe tragen kann.“(Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel, in: Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel, Gedichte/Lieder, Schöne Verlierer, Verlag 2001, 1974, S.9) Shell, mit der Breavman einige Sommertage und –nächte an einem See unweit von New York verbringt, erscheint erst im Gang der Chronologie des Romans. Breavman erzählt ihr dann die Geschichte seines Erwachsenwerdens. Er lernt sie kennen, als er als Student in New York lebt, sie ist eine verheiratete Frau. Die intensive Liebesgeschichte Breavman – Shell, die in „Buch III“ erzählt wird, stellt den Höhepunkt des Romans dar. „Buch I“ und „Buch II“ berichten dagegen von Breavmans Montrealer Vorgeschichte, von seinem Elternhaus, seiner Kinderfreundin Lisa, seiner ersten Geliebten Tamara, von seinem Kumpel Krantz und seinen Anfängen als lokalem Songpoet. Viele Abschnitte sind sehr berührend, etwa die Geschichte mit Lisa oder wenn es um Breavmans Familiengeschichte und seine vom Leben frustrierte Mutter geht. Cohen schreibt in einer schönen und poetischen Sprache, die den Lyriker erkennen läßt.

„Buch IV“ fällt dagegen ab. Breavman trennt sich von Shell, um seine persönliche Freiheit zu wahren.  Er verbringt den Sommer als Betreuer in einem von Kumpel Krantz geleiteten Jugendcamp und erlebt in dem Autisten Martin seine eigene Andersartigkeit. Hier spielt Cohen mit dem bekannten Gegensatz: Bürger – Künstler. Besonders überzeugend scheint mir das alles aber nicht zu sein: Vielmehr verstrickt der Autor sich in allerlei Selbststilisierungen.

Die Ursache für die Entwicklung des Romans scheint mir außerhalb des Textes zu liegen: Hätte Cohen in New York City Shell (vielmehr das reale Vorbild der Romanfigur) geheiratet, so wäre er niemals nach Griechenland gegangen, hätte er nicht mit Marianne Ihlen gelebt und wäre er nicht zu dem (gemeinsam mit Bob Dylan) bedeutendsten Poeten der internationalen Popmusik geworden. Cohen beschreibt seine Jugendjahre, als noch alles im Fluss ist, aber er will einen in sich geschlossenen Roman konstruieren. Damit muss er notwendig scheitern. Auch die in den letzten Sätzen gegebene Auflösung des Romantitels (Lisas „Lieblingsspiel“ bestand darin, dass sie sich in den frisch gefallenen Schnee warfen und dann die entstandenen Formen verglichen ), scheint mir nicht wirklich überzeugend.

Breavmans „Lieblingsspiel“ ist natürlich die erotische Kommunikation. Im ersten Kapitel von „Buch I“ geht es nicht nur um die Narbe in Shells Ohrläppchen. Cohen schreibt: „Eine Narbe ist, was sich ereignet, wenn das Wort Fleisch wird.“(a.a.O.S.10) Das ist pathetisch ausgedrückt, der junge Cohen will eben wichtige Dinge erklären, führt aber ins Zentrum seines gesamten Werkes: Er versteht Erotik als die Nahtstelle zwischen Geist und Körper, zwischen Bewusstsein und Sein, Seele und Materie. Man könnte zeigen, wie er später in dem berühmten „Suzanne“ die erotische Liebe zu einer Erfahrung weltumspannender Mystik hoch stilisiert. Auch in der Liebe zwischen Shell und Breavman geht es um diese Kommunion von Geist und Fleisch: Shells Ehe verlief weitestgehend unerotisch und erst in der Beziehung zu Breavman erfährt sie (die aus der amerikanischen Upper-Class stammende Protestantin) sich selbst als erotisches Subjekt.  In dieser Kommunikation von Wort und Fleisch entstehen denn auch Cohens Gedichte:  ”Wenn du mich heranrufst / um mir zu sagen / dein Körper sei nicht schön / dann wünsche ich, mein Körper, meine Hände / sollten Becken sein / für deine Blicke  und dein Lachen.“ (a.a.O.S.226).

Leonrad Cohen wird so zum wahren Nachfolger Henry Millers, des großen Hippies der Welt­literatur. Man sollte sich vor Augen halten: Wir leben in einer profanen, auf das Geld fixierten Zeit, in der Sexualität als Mittel zum Zweck verstanden wird: Vor allem als Begleitmusik für den ewigen Kommerz. Oder sie gilt als Teil von psychischer Hygiene, vielleicht auch als eine Art Sport, und manche sehen in der Emanzipation sexueller Minderheiten gleich einen Aspekt der Befreiung der Menschheit. Cohen dagegen konzipiert Erotik als einen nahezu religiösen Selbstzweck, als den innersten Kern des menschlichen Lebens und der Kommunikation. In den Mittelpunkt des Lebens stellt er die mystische Erfahrung der Aufhebung der Vereinzelung. Seine Lieder sind ein Einspruch gegen den blinden Selbstlauf der Moderne.

siehe auch: Cohen und Hydra

 

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