mord & totschlag

Entscheidung an der Spree (3)

Donnerstag, 29. April 2010 von Ulli

…. Er ist schwer verletzt, erklärte der junge Arzt. Doch er wird mit dem Leben davon kommen. Allerdings wird er tagelang nicht ansprechbar sein.

Kommissarin Birgit Allenare sah zu, wie die Bahre, auf der Johannes von Blaustücken lag, in den Notarztwagen gehoben wurde. Ein Pfleger hielt die beiden Infusionsflaschen, mit denen erversorgt wurde.

Von seinem Bruder und den beiden USB-Sticks fehlte jede Spur. Adrian war mit den Infos entkommen.

Warum habt ihr Idioten den Kanal nicht blockiert?, schrie die Kommissarin, außer sich vor Wut.

Det ham die Kollejen von der Wasserschutzpolizei verbockt, antwortete Hauptkommissar Schmitt, der Zugführer des SEK. Wieder einmal, fügte er bitter hinzu.

Ich habe keine Lust, mir diese Ausflüchte länger anzuhören…

Leonard Cohen Files

Montag, 19. April 2010 von Ulli

Leonard Cohens Bedeutung für die populäre Lyrik kann kaum überschätzt werden. Er schrieb Texte von suggestiver Kraft wie „Suzanne“ oder „So long Marianne“. Erinnert sei an „Bird on wire“ oder auch an das berühmte Lied über Janis Joplin und das „Chelsea Hotel“.

Chelsea Hotel, New York City

Viele Arbeiten Cohens entstanden in Griechenland, auf der kleinen, vor der Peleponnes gelegenen Insel Hydra. In den frühen sechziger Jahren kam der damals noch unbekannte kanadische Romancier und Lyriker auf Hydra an und musste sich angeblich aus Geldmangel mit dem einzigen Haus zufrieden geben, von dem aus man das Meer nicht sehen konnte. Hydra war unter Künstlern und Literaten nicht unbekannt. So war Henry Miller im Jahre 1939 während seiner Reise durch Griechenland auf der Insel gewesen und hatte sie in den glühendsten Tönen beschrieben:

„Hydra ist eine aus kahlem Felsen bestehende Insel… Die Stadt, die in der Form eines Amphitheaters um den Hafen herum ansteigt, ist makellos. Es gibt nur zwei Farben: Blau und Weiß, und das Weiß wird jeden Tag bis zum Straßenpflaster frisch getüncht. Die Häuser sind noch kubistischer angeordnet als in Poros. Vom ästhetischen Standpunkt aus ist es vollkommen, ist es der Inbegriff einer fehlerfreien Anarchie, die alles aufhebt, da sie alle herkömmlichen Anordnungen der Phantasie einschließt und darüber hinausgeht.“

(Henry Miller, Der Koloss von Maroussi, Reinbek bei Hamburg, 1965, S. 45)

Cohen blieb für mehrere Jahrzehnte auf Hydra. Zu diesem Thema finden sich viele interessante Infos und Fotos bei den Leonard Cohen Files.

Und es gibt sogar ein Interview mit Marianne Ihlen.

Siehe auch: Leonard Cohen “Das Lieblingsspiel”.

Entscheidung an der Spree (2)

Dienstag, 13. April 2010 von Ulli

…. Johannes Blaustücken lag von einer Polizeikugel getroffen in seinem Blut. Er atmete schwer und dicke Schweißtropfen standen auf seiner leichenblassen Stirn.

Verschwinde, röchelte er.

Adrian musste ihn zurücklassen, er hatte keine andere Wahl. Wieder krachten Schüsse. Adrian, ein kaum dreißigjähriger, hagerer Mann öffnete das Tor des Lagerschuppens einen schmalen Spalt und spähte vorsichtig hinaus in den kalten Nebel. Die USB-Sticks befanden sich in seiner Manteltasche. Wie aus weiter Ferne hörte er die Kommandorufe des SEKs.

Er hatte keine Zeit zu verlieren. Er hastete vorwärts. Der dichte Nebel bot ihm Schutz. Er erreichte die Kaimauer und lief sie in geduckter Haltung entlang. Dann sah das Boot. Er sprang an Bord, startete den Motor und raste davon…

Entscheidung an der Spree

Freitag, 09. April 2010 von Ulli

…. Blaustücken und sein Bruder hatten sich auf dem Gelände des Westhafens versteckt. Der Berliner Wedding im November. Dichter, kalter Nebel zog von der Spree herüber, als die Polizisten des SEK von ihren Fahrzeugen absaßen. Sie trugen Kampfanzüge, Gesichtsmasken und kugelsicherere Westen, sahen aus wie schwere Roboter.

Kommissarin Birgit Allenare wartete bereits auf sie. Vorwärts!

Ein Beamter zerschnitt den metallenen Zaun mit einem großen Bolzenschneider. Allenare zog ihre Dienstwaffe, einen schweren 44er Colt, das Geschenk eines Freundes aus Chicago. Der SEK-Beamte schob sich durch die Lücke im Zaun und rannte durch den Nebel auf das Lagerhaus zu.

Seine Leute folgten ihm. Unhörbar huschten sie davon und verschwanden in dem kalten Nebel.

In dieser Sekunde krachte der erste Schuss…

 

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