berliner mord & totschlag

Zukunft

Sonntag, 19. Juni 2016 von Ulli

„An einem Abend in der folgenden Woche, an dem es frühlingshaft warm geworden ist, sitzen wir gemeinsam auf der Terrasse und trinken den local wine: „Spätestens im Ersten Weltkrieg war das Proletariat zur wichtigsten sozialen Schicht geworden, die Arbeiter waren von den Fabriken in die Schützengräben abkommandiert, und danach haben sie sämtliche politischen Bewegungen getragen, von der Oktoberrevolution bis zum Faschismus. Deswegen wurden die Sozialstaaten geschaffen: Eine Heimat für die Ausgebeuteten und Verachteten, für die Gedemütigten und Elenden. Aber seit dreißig Jahren regiert wieder die nackte Gier: Es entsteht wieder eine Klasse von Ausgebeuteten, von Vogelfreien und Gedemütigten, ein Prekariat, und nur noch ein paar Jahrzehnte, und diese Leute werden die Regie in der Geschichte übernehmen. Dann Gnade uns Gott! Dann wird es höchst ungemütlich werden! Sie verstehen: Eine Welt, die in primitivster Weise auf Egoismus und Gier setzt, erschafft sich ihren eigenen Totengräber.“ So sitzen wir am südlichen Ende Europas, an der Peripherie unserer schönen, untergehenden Wohlstandswelt und sprechen über die verspielten Chancen der Geschichte.“ (unveröffentlicht, Mythuxs II)

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Siehe auch: „Killer Berlin, Mythuxs I“.

 

 


Berlin Charlottenburg Lietzensee

Sonntag, 08. Mai 2016 von Ulli
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Endlich Frühling…

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KILLER BERLIN

Dienstag, 01. März 2016 von Ulli

Was geschieht hinter den Kulissen des Wohlstands? Was ist mit denen, die auf der Verliererstraße angekommen sind? In Berlin wird ein Lehrer mit Dutzenden Messerstichen umgebracht. Eine Unternehmensberaterin, ihr millionenschwerer Freund und dessen Bodyguard werden in ihrer eigenen Wohnung abgeschlachtet. Die Kripo nimmt ihre Ermittlungen auf, doch die findet keine Spur. Denn es ist eine Selbstfindung im Blutrausch…

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Winter in Charlottenburg

Dienstag, 02. Februar 2016 von Ulli

Der Lietzensee gerade um die Ecke

 

 

 

 


Kleist über Charlottenburg

Freitag, 15. Januar 2016 von Ulli

Heinrich von Kleist produzierte im Jahre 1810 die „Berliner Abendblätter“, sozusagen die erste deutsche Boulevardzeitung. Der Erfolg der „Abendblätter“ rührte unter anderem daher, dass er Polizeiberichte publizierte. (Nachdem Kleist sich dann allerdings mit der preußischen Zensur anlegte, gab die Polizei ihm keine Infos mehr und das lebensuntüchtige Genie ging pleite)

Am 9.10.1810 vermeldeten die „Berliner Abendblätter“ folgende Episode aus Charlottenburg, damals nicht mehr als ein märkisches Nest mit einem königlichen Schloss:

Am 3.d.M hat sich in Charlottenburg ein fremder Hund mit einem Stricke um den Hals eingefunden und ist, nachdem er sich mit mehreren Hunden gebissen hatte und aus mehreren Häusern verjagt war, auf dem Hofe des Herrn Geh. Kommerz. Rat Pauli geraten. Daselbst wurde er von sämtlichen Hunden angefallen, und weil er sich mit ihnen herumbiss, so hielt man ihn für toll, erschoß ihn und alle Paulische, von ihm gebissenen Hunde und begrub sie ehrlich. Dieses Faktum hat zu dem Gerücht Anlaß gegeben, daß in Charlottenburg ein toller Hund Menschen und Vieh gebissen habe. Menschen sind gar nicht gebissen, das Vieh aber, das er biß, ist teils getötet und begraben, teils in Observation gesetzt. Zudem, da er sich gutwillig aus mehreren Häusern verjagen ließ, ist nur zu wahrscheinlich, daß der Hund gar nicht toll gewesen.

(zitiert nach, Heinrich von Kleist, Sämtliche Werke, Ausgabe des Bertelsmann Leserings, also wohl in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erschienen)

siehe auch: http://www.ullrichwegerich.de/2011/09/heinrich-von-kleist-und-das-preusische-desaster/von-kleist-und-das-preusische-desaster/


PARIS

Donnerstag, 19. November 2015 von Ulli

 

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Paris, Montparnasse

 

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Montparnasse

 

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St. Germain

 


Herbststory

Mittwoch, 28. Oktober 2015 von Ulli

…Am Morgen ging der Jäger auf Kürbisjagd. Bereits im ersten Frühnebel saß er auf seinem Hochsitz und beobachtete die Lichtung. Die Kürbisse hatten gerade Brunftzeit und schon nach kurzer Zeit war aus dem Walde lautes Grollen und gefährliches Grummeln zu vernehmen und rollten zwei mächtige Kürbisse mit gewaltigem Getöse, Geschnaufe und Geschnarre auf die Lichtung. Zuerst plusterten sie sich in wüsten und übelsten Drohgebärden auf, so dass es eine wahre Schande war, und schon nach kurzer Zeit prügelten und rumpelten sie laut schnaufend aufeinander ein. Wie brünstige Hirsche prallten, rammten und knallten die Kürbisse gegeneinander an. Es war ein seltenes Schauspiel, das nur wenige Menschen jemals zu sehen bekommen. Doch der Jäger, der ja kein Naturfilmer war, hob kaltherzig sein Gewehr. Er zielte sorgfältig, bevor er abdrückte. Alles kam darauf an, den Kürbis, den er ins Visier genommen hatte, nur oben am Stil zu treffen, so dass das saftige Fleisch nicht verletzt wurde. Der Jäger feuerte und der Kürbis sackte tot zu Boden. In panischer Angst nach Luft japsend rollte der andere Kürbis davon und verschwand im dichten Unterholz.

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Paris, Jardin de Luxembourg

Montag, 28. September 2015 von Ulli
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Über die Ursprünge des deutschen Desasters – Zu Theodor Fontanes Roman „Irrungen und Wirrungen“.

Samstag, 08. August 2015 von Ulli

Über die Folgen der gescheiterten bürgerlichen Revolution in Deutschland:

Fontanes „Irrungen und Wirrungen“ war seinerzeit ein echter Skandalroman. Beschreibt er doch die Geschichte einer Liebe über die Standes- und Klassengrenzen hinweg, die im Preußen der 1870er Jahre ziemlich rigoros waren: Baron Botho von Rienäcker und die kleinbürgerliche (arme) Schneidermamsel Lene Nimptsch verbindet eine tiefe und schöne Liebesbeziehung. Höhepunkt ihrer Liebe ist ein gemeinsamer Ausflug in Richtung Spreewald, bei dem sie sogar die Nacht miteinander verbringen. Fontane lässt keinen Zweifel daran, dass es für beide die große Liebe ihres Lebens ist.

Aber natürlich scheitern sie. Schon als einige adlige Standesgenossen während des Ausfluges auftauchen, ist der Zauber dahin. Zudem befindet sich das Gut der Familie Rienäcker in einer massiven finanziellen Schieflage. Botho sieht sich deshalb zu einer Geldheirat mit seiner reichen Cousine Käthe von Sellenthin gezwungen. Käthe, hübsch und strohblond, würde man heute wohl als oberflächliche Tussi bezeichnen: Immer gut drauf besteht ihre wichtigste Handlung im Roman in einer Kur in Schlangenbad unweit des mondänen Wiesbaden. Auch Lene heiratet: Ihr Nachbar Gideon Franke ist zwar ein solider Mensch, aber halt auch ein protestantischer Eiferer, dem während eines Treffens mit Rienäcker nicht mehr einfällt, als in eine protestantische Predigersuada zu verfallen.

Aber warum halten Lene und Botho nicht an ihrer Liebe fest? Während eines Ausritts überlegt Botho sich folgendes:

Es liegt nicht in mir, die Welt herauszufordern und ihr und ihren Vorurteilen öffentlich den Krieg zu erklären; ich bin durchaus gegen solche Donquixoterien… Arbeit und täglich Brot und Ordnung. Wenn unsere märkischen Leute sich verheiraten, so reden sie nicht von Leidenschaft und Liebe, sie sagen nur: ‚Ich muss doch meine Ordnung haben.‘ Und das ist ein schöner Zug im Leben unseres Volks und nicht einmal prosaisch. Denn Ordnung ist viel und mitunter alles. Und nun frag ich mich: War mein Leben in der Ordnung? Nein…“ (Irrungen und Wirrungen, in Theodor Fontane, Romane, Berlin, 1985, S.86,87)

Lene sieht die Sache so:

Wenn man schön geträumt hat, so muss man Gott dafür danken und darf nicht klagen, dass der Traum aufhört und die Wirklichkeit wieder anfängt. Jetzt ist es schwer, aber es vergisst sich alles, oder gewinnt wieder ein freundliches Gesicht. Und eines Tages bist du wieder glücklich und vielleicht ich auch.“ (a.a.O.,S.90)

Und als ein Standesgenosse, der ebenfalls eine nicht standesgemäße Liebesaffäre unterhält, von Rienäcker auf dieses Problem anspricht, macht der ihm unmissverständlich klar, dass er sich schleunigst von Geliebten trennen und sich den bürgerlichen Regeln unterwerfen solle: Alles andere ende zwangsläufig in Elend und Verzweiflung. (a.a.O.,S.138ff)

Welch ein Widerspruch etwa zum Gefühlschaos und zum Selbstmord von Goethes „Werther“ oder zum wilden Überschwang der Romantik! Aber wie konnten sich die Denkmuster in Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte so radikal verändern? Sehen wir uns Fontanes Biographie an: Als junger Mann ein begeisterter Verfechter der demokratischen Bestrebungen des Vormärz, kämpfte er 1848 sogar in Berlin auf den Barrikaden (wenn angeblich auch nur, wie er später seinem reaktionären Publikum gegenüber behauptete, mit einem Theatergewehr bewaffnet). Nach dem Scheitern der Revolution verbrachte er lange Jahre in England, bis er schließlich nach Preußen zurückkehrte. Seine großen Romane schrieb er als alter Mann, als er die Sechzig bereits überschritten hatte. 1871 war es mit der Kaiserkrönung im Spiegelsaal von Versailles doch noch zur Einheit Deutschlands gekommen – allerdings nicht unter den Vorzeichen der bürgerlichen Demokratie, sondern waffenklirrend und unter der Hegemonie des autoritären Preußen. Und mit der nun in deutschen Reich einsetzenden industriellen Revolution wurde das Land zu einer der führenden und reichsten Industrienationen der Welt. Wohlstand machte sich breit – allerdings keine Demokratie und nicht das freiheitliche westliche Gesellschaftsmodell.

Die nationalstaatliche Emanzipation verband sich in Deutschland nicht mit den Werten von „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit“, sondern mit bizarren Großmachtsphantasien und einem Glauben an stetig wachsenden Wohlstand. Ein Blick auf die weitere Geschichte zeigt: Die sozialpsychologischen Folgen der gescheiterten bürgerlichen Revolution und der folgenden autoritären politischen Entwicklungen waren verheerend. Sie wirken fort bis heute. Bereits Fontane beschreibt ein Land im gänzlich verspießerten Biedermeier und ein Volk von unpolitischen Duckmäusern: Anpassung an die gegebenen Verhältnisse und Sitten bringt bürgerlichen Wohlstand und ein Leben in Ordnung und Sicherheit, jeder Widerspruch dagegen das Verhängnis. Nicht die freie Entfaltung des Einzelnen steht im Zentrum der deutschen politischen Kultur, sondern die Integration in die gegebene soziale Ordnung. Fontanes Figuren sind sympathische Leute, doch ihre Konsequenz ist der von Heinrich Mann im Roman „Der Untertan“ beschriebene Diederich Heßling: Ein zutiefst unpolitischer und autoritärer Mitläufer und Konformist, ein bösartiger Typus, der nach unten tritt und nach oben buckelt, in der Tat der Archetypus des deutschen Wohlstandsspießers und Untertanen.

So erscheint Fontanes Roman erschreckend aktuell und seine Duckmäuser verweisen direkt auf die deutschen Katastrophen des 20.Jahrhunderts: Ein Volk von Mitläufern und Untertanen rannte begeistert hinter jedem großspurigen Verrückten und Massenmörder her, seien es Wilhelm II, seien es die Nazis, wenn sie nur für „Ordnung“, nationale Größe und einen gewissen Wohlstand standen. In anderen europäischen Ländern gab es eine breite Widerstandsbewegung gegen die Nazi-Diktatur, doch in Deutschland rechnete man noch 1945 mit der „Wunderwaffe“ und wurden selbst wenige Stunden bevor die Alliierten eine Stadt befreiten allerorten angebliche „Verräter“ gehängt. Und heute sieht ein Volk von tiefensedierten Wohlstandsspießern mit kaltem Herzen den Griechen beim Verrecken im Elend zu, den Flüchtlingen beim Ertrinken im Mittelmeer oder – im eigenen Land – den Hartz IV Empfängern oder Geringverdienern in ihrer perspektivlosen Armut – persönlicher Wohlstand und Ordnung sind ja garantiert und die Regierung (80% Parlamentsmehrheit) kann mit breiter Zustimmung rechnen.


Was geschieht hinter den Kulissen des Wohlstands?

Samstag, 02. Mai 2015 von Ulli

 

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