In der zweiten Jahreshälfte wird, wieder im Verlag Königshausen & Neumann, ein neuer Berlin-Krimi erscheinen: GUT ESSEN. Eine Geschichte über Manipulationen an Lebensmitteln und über millionenschwere Lobbyisten. Der Grafiker Dr. Markus Heinlein hat das Titelbild entworfen:
Die Älteren kennen die deutsche Dichterin Bettina von Arnim noch vom Fünf-Mark-Schein, der ihr Porträt zeigte. Geboren als Bettina von Brentano, Schwester von Clemens Brentano, heiratete sie 1811 Achim von Arnim und gehörte sie zum innersten Kreis der deutschen Romantik. Vor allem nach dem Tod ihres Mannes trat sie mit eigenständigen Publikationen hervor und entwickelte sie zudem ein umfangreiches soziales Engagement. Beeinflusst von den Ideen der Frühsozialisten traf sie sogar mit Karl Marx zusammen. Sie war jedoch keine Revolutionärin, sondern vertrat die romantische Idee eines Volkskönigs. So war ihr Dieses Buch gehört dem König denn auch als offener Brief an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV gedacht, den sie zu sozialen Reformen bewegen wollte. Von Arnim entfaltete allerlei Überlegungen und Dialoge, die sie vor allem der Mutter des Dichterfürsten Goethe, mit der sie lange Jahre befreundet war, in den Mund legt. Großen Erfolg hatte ihr recht naives Unterfangen nicht – immerhin war Friedrich Wilhelm IV die gleiche reaktionäre Dumpfbacke, die die 1849 von Frankfurter Nationalversammlung angebotene deutsche Kaiserkrone mit der Begründung ablehnte, er nehme keine „Krone aus der Gosse“.
Ausgesprochen interessant an Bettinas Text sind die als „Beilage“ konzipierten „Erfahrungen eines jungen Schweizers im Vogtlande“ am Ende des Buches: „Vor dem Hamburger Tore, im sogenannten ‘Vogtland’, hat sich eine förmliche Armenkolonie gebildet.“(Bettina von Arnim, Dieses Buch gehört dem König, Kindle-Edition. Pos. 4624) Sie charakterisiert diesen Slum folgendermaßen:
„Das aber scheint gleichgültig zu sein, dass die Ärmsten in eine große Gesellschaft zusammengedrängt werden, sich immer mehr abgrenzen gegen die übrige Bevölkerung und zu einem furchtbaren Gegengewichte anwachsen.“(a.a.O. Pos.4624)
Und beschreibt das Leben des damals entstehenden Proletariats:
Der Vater webet zu Bett und Hemden und Hosen und Jacke das Zeug und wirkt Strümpfe, doch hat er selber kein Hemd. Barfuß geht er und in Lumpen gehüllt.
Die Kinder gehen nackt, sie wärmen sich einer am anderen auf dem Lager aus Stroh und zitten vor Frost.
Die Mutter weift Spulen vom frühsten Tag zur sinkenden Nacht. Öl und Docht verzehrt ihr Fleiß und erwirbt nicht so viel, dass sie die Kinder kann sättigen.
Abgaben fordert der Staat vom Mann, und die Miete muss er bezahlen, sonst wirft ihn der Mietherr hinaus und die Polizei steckt ihn ein. Die Kinder verhungern und die Mutter verzweifelt.
Die Armenverwesung hat taube Ohren, sie läßt lange vergeblich sich anschreien vom Armen, was er ihr abringt, das Leben zu fristen, läßt ihn nur langsamer sterben.“ (a.a.0. Pos.4599)
In diesem „Vogtland“ gibt es „sogenannte ‘Familienhäuser’… In vierhundert Gemächern wohnen zweitausendfünfhundert Menschen. Ich besuchte daselbst viele Familien und verschaffte mir Einsicht in ihre Lebensumstände.“ (a.a.O. Pos. 4629)
Es folgt ein Panoptikum des Elends der industriellen Revolution. Gerade wurde das Preußenjahr gefeiert: Doch im verlogenen Agenda-Deutschland von Schröder und Merkel ist kein Platz für die Erinnerung an diese Nachtseite von Preußens Gloria. Bettina von Arnim jedoch geht von Tür zu Tür und beschreibt die elende Lage der Menschen. Es handelt sich um keine soziologische Studie, wie beispielsweise Friedrich Engels „Die Lage der arbeitenden Klassen in England“, sondern um eine grandiose literarische Verdichtung der Wirklichkeit. Um ein Stück vergessener deutscher Literaturgeschichte des 19.Jahrhunderts, die sich eben nicht in Naturlyrik und Biedermeier erschöpft. Noch ein Beispiel:
“Fünf seiner Kinder starben an den Pocken, und während sie krank waren, fehlte es ihm an Arbeit. Von niemandem unterstützt, geriet er dadurch so in Schulden, daß er mehrmals aus dem Hause geworfen werden sollte. Er verkaufte Hausgeräte und Kleider und ist jetzt so entblößt von allem, daß er nicht einmal ein Hemd besitzt. Durch Arbeit kann er sich nicht wieder aufschwingen, weil es ihm an Leder fehlt und die Flickarbeit, die er den Leuten im Familienhause macht, schlecht bezahlt wird. Zudem hat er mit zwölf anderen Schustern, die am gleichen Orte wohnen, zu konkurrieren. Ich sah es selbst, wie seine Frau um Arbeit ausging und er unterdessen die Kinder hütete. Es war drei Uhr abends, und er hatte an demselben Tag erst zwei Silbergroschen verdient; den einen gab er wieder aus für Zwirn, für den andern kaufte er Brot. Das Kleine fing an, vor Hunger zu weinen.” (a.a.O. Pos.4676)
Siehe auch: Sara Paretsky: Globalisierung in Chicago.
Ein neues E-Book veröffentlicht, Teil I eines auf zwei Bände angelegten und in Berlin spielenden Soziopathenkrimis. Ein Sturm zieht auf:
“In einer Schule in Schöneberg wird ein Lehrer mit Dutzenden Messerstichen niedergemetzelt. Die Kriminalpolizei nimmt die Ermittlungen auf. Dann werden in Kreuzberg mehrere Menschen regelrecht hingerichtet. Nun deuten alle Indizien deuten auf einen Täter aus dem organisierten Verbrechen hin… Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus: Der Killer tötet aus persönlichen Motiven. Er mordet, um sich selbst zu finden. Er steigert sich in einen Blutrausch. Aus dem Kellergewölbe der Leistungs- und Wohlstandsgesellschaft ertönt eine schwarze Stimme…”
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Ein Eisfahrzeug des New York City Police Departements (NYPD):
Erinnert ans feuerrote Spielmobil?
In den fünfziger Jahren war alles am Besten?
siehe auch: Schnittige Polizeifahrzeuge.
“Der Autor arbeitete lange Jahre als hochrangiger Beamter im chinesischen Ministerium für Information und ist Mitglied beim Schriftstellerverband der KP Chinas. Er lebt in Peking und im Rheingau.”
oder auch:
Die Amerikanerin Donna Leon kam nach einem Wanderleben als Lehrerin und Literaturdozentin, das sie bis nach China, in den Iran und nach Saudi-Arabien führte, nach Venedig, wo sie noch heute lebt. Sie ist eine sehr erfolgreiche Autorin, deren Krimireihe um den netten Commissario Brunetti auch in Deutschland millionenfach verkauft wurde. Es sei nicht verschwiegen, dass ihre ersten Romane – etwa „Venezianisches Finale“ oder „Aqua Alta“ – ziemlich gute Krimis waren. Ihre späteren Arbeiten fand ich dagegen mitunter so langweilig, dass ich sie kaum zu Ende lesen konnte. Der Erfolg der Serie lebt denn auch vor allem von der Figur des Guido Brunettis, eines extrem sympathischen Mannes, der denn auch eine supernette Familie hat: Eine Ehefrau, selbst Literaturdozentin, die – die Kitsch lass nach – aus altem venezianischem Adel stammt, und zwei total tolle Kinder. Zum Personal der Serie gehören beispielsweise noch ein leicht depperter Vorgesetzter und eine erotisch-melodramatische Polizeisekretärin. Natürlich wird dauernd gut gegessen und Kaffee oder Wein getrunken.
Venedig wird im schönsten Licht aller Touristenpostkarten gezeichnet. Zugleich suggeriert Donna Leon dem Leser jedoch, dass er in ihren Krimis etwas über das wirkliche Leben in Venedig erfahren würde. Das darf bezweifelt werden. Venedig, eine Stadt von ungefähr 50 000 Einwohnern, wird pro Tag von 50 000 Touristen heimgesucht. Darüber kein Wort. Donna Leon hat die Publikation ihrer Bücher in Italien untersagt, angeblich, um zu großen Rummel um ihre Person zu vermeiden. Mein Verdacht lautet aber: Sie unterbindet die Publikation, damit bloß keiner mitbekommt, welch grauenhaft kitschiges Bild sie von dieser Stadt zeichnet. Ihre Romane sind Teil einer globalisierten Venedigindustrie, die die Stadt romantisch-touristisch verklärt. Vom deutschen Fernsehen wurden zahlreiche Romane verfilmt, bezeichnenderweise mit deutschen Schauspielern. Diese Filme zeichnen das Italienbild des deutschen Wohlstandspießers, mit dem wirklichen Italien haben sie ungefähr so viel zu tun, wie die Edgar-Wallace-Verfilmungen mit Joachim Fuchsberger mit dem London der sechziger Jahre.
- Wohin wollen Sie?
- Einfach geradeaus!
- Stellen Sie sich!
- Andernfalls werde ich erschossen?
- Warum wollen die Sie erschießen?
- Ich sage Ihnen drei Namen. Recherchieren Sie die. Aber verwischen Sie besser Ihre Webadresse. Peter Biner. Hajo Stark. Peter von Berson…
…Mehrere Bundespolizisten standen mit entsicherten Maschinenpistolen an der Ausfahrt der Tiefgarage. Birgit Allenare zeigte ihre Identitätskarte des LKA Berlin. Der Kollege warf einen Blick auf das Passfoto und winkte ihr weiterzufahren.
Sie fuhren aus der Parkgarage heraus auf die Leipziger Straße.
- Geht doch, sagte von Blaustücken.
Überall Polizei. Kollegen mit Maschinenpistolen. Dutzende Fahrzeuge. Blaulicht in der Nacht. Die Kommissarin sah erste Kamerateams. Sie fuhren um den Alexanderplatz herum, kamen auf den Mühlendamm und überquerten die Spreebrücke. Kolonnen von Bundespolizei kamen ihnen entgegen…
siehe auch: Lektüreprobe “Berliner Blut”.
…duckte Adan sich hinter der Schneewehe nieder: In dem Tal lagerte der Spähtrupp. Zwei große Zelte waren aufgebaut, Tipis aus dunklem Leder, mit magischen, silbernen Hieroglyphen bemalt, vor denen zwei Krieger in ihren metallenen Rüstungen an einem Lagerfeuer saßen. Ihre Helme waren mit bunten Federn geschmückt und ihre großen Schwerter hatten sie neben sich in den tiefen Schnee gerammt. Sie unterhielten sich und Adanas hörte das raue, kehlige Lachen des einen Kriegers.
Die Prinzessin stand nackt in goldenen Ketten an einen hohen, in den Schnee gesteckten Pfahl gefesselt. Ihr lockiges, blondes Haar fiel weit über ihre Schultern.
Es war nur ein provisorisches Lager für diese eine Nacht. Fünf Knappen, mit Keulen und kurzen Schwertern bewaffnet, versorgten die Mammuts, deren warmer Atem sich in dem eisigen Frost zu dampfendem, weißem Nebel verwandelte.
Gerade versank die Sonne glutrot hinter den Gletschern der westlichen Berge. Sobald es ganz dunkel war, würde Adan angreifen, denn ihm blieb nur wenig Zeit….
Endlich erschienen – Das E-Book “Handel auf eigene Faust”.
Den Anfang Probelesen und dann Herunterladen bei amazon.
Schon der Titel klingt toll, im Italienischen noch besser :„La Pazienza del Ragno“, also „Die Geduld der Spinne“. Es geht gleich existentiell los: Commissario Montalbano wird angeschossen und verletzt, und zudem finden die Ärzte heraus, dass sein Herz nicht mehr in Ordnung ist. Gottseidank folgt nun aber kein Krankenhausdrama, ganz so schlimm ist die Herzerkrankung doch nicht – der Serienheld wird eben alt und der Tod zwinkert schon mal aus der Ferne – und der Commissario wird zur Genesung nach Hause entlassen. Aus Mailand reist seine Freundin Livia an, um ihn zu betuteln, Anlass zu allerlei ironischem Schabernack: So streikt die eifersüchtige Haushälterin und Köchin…
Es gibt auch einen Kriminalfall: Eine junge Frau, Susanna Mistretta, wird entführt. Montalbano lernt ihre Familie kennen: Ihren verarmten Vater; ihre an Traurigkeit und Enttäuschung sterbende Mutter; ihren Onkel, einen Arzt, der die Sterbende pflegt; ihren Freund, der selbst Polizist werden will; und vom Hörensagen ihren zweiten Onkel, einen Geschäftsmann mit Mafiaverbindungen, den Bruder der Sterbenden, der seine Schwester in den Tod trieb, indem er ihren Mann betrog und ruinierte.