mord & totschlag

Das pralle Leben

Freitag, 03. September 2010 von Ulli

bescheinigt der Berliner weblog Wedding krass meinem Roman Berliner Macht:

„Das pralle Leben steckt in dem Buch, als da sind: arbeitsliebende Mütter, verkannte Genies, Emporkömmlinge, Praktikantinnen, heimtückische Politiker und einige Tote… Man genießt als Weddinger den Gruselkitzel, dass das alles tatsächlich vor der eigenen Haustür passieren könnte.“

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Schnittige Polizeifahrzeuge

Donnerstag, 26. August 2010 von Ulli

Heute: Berlin.

Mit diesen schicken Mercedes Limousinen fuhr früher die Westberliner Polizei durch die Stadt.

Das Fahrzeug wurde ausgestellt während des Festtages zu “100 Jahre Polizei am Sophie-Charlotte-Platz” in Berlin-Charlottenburg am 4. Juli 2010. Es war ein heißer Sommertag und man konnte anschließend noch zum Baden gehen.

Leonard Cohen: “Das Lieblingsspiel”

Donnerstag, 12. August 2010 von Ulli

Ein Porträt des Künstlers als junger Mann.

Leonard Cohens erster, autobiographisch geprägter Roman „Das Lieblingsspiel“ führt zurück in die fünfziger und frühen sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er erzählt von dem aus begüterter jüdischer Montrealer Familie stammenden jungen Poeten Lawrence Breavman, von der Geschichte seines Erwachsenwerdens, die sich an einer Reihe von erotischen Begegnungen festmacht. Er führt aber auch zurück in die Zeit, als der Künstler Leonard Cohen und die Grundideen seiner Arbeit sich erst herausbildeten. Authentische Selbstdarstellung und Selbstmythologisierungen gehen im Roman Hand in Hand.

„The Favorite Game“ ist ein früher Beleg für Cohens ästhetische Gestaltungskraft. Wie ist der Text also konstruiert? Er besteht aus der Chronologie von vier, etwa gleich großen „Büchern“. Zugleich wählt Cohen aber auch die Form der Rückblende. Der Roman beginnt mit dem Satz: „Breavman kennt ein Mädchen namens Shell, deren Ohren durchbohrt wurden, damit sie Filigranohrringe tragen kann.“(Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel, in: Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel, Gedichte/Lieder, Schöne Verlierer, Verlag 2001, 1974, S.9) Shell, mit der Breavman einige Sommertage und –nächte an einem See unweit von New York verbringt, erscheint erst im Gang der Chronologie des Romans. Breavman erzählt ihr dann die Geschichte seines Erwachsenwerdens. Er lernt sie kennen, als er als Student in New York lebt, sie ist eine verheiratete Frau. Die intensive Liebesgeschichte Breavman – Shell, die in „Buch III“ erzählt wird, stellt den Höhepunkt des Romans dar. „Buch I“ und „Buch II“ berichten dagegen von Breavmans Montrealer Vorgeschichte, von seinem Elternhaus, seiner Kinderfreundin Lisa, seiner ersten Geliebten Tamara, von seinem Kumpel Krantz und seinen Anfängen als lokalem Songpoet. Viele Abschnitte sind sehr berührend, etwa die Geschichte mit Lisa oder wenn es um Breavmans Familiengeschichte und seine vom Leben frustrierte Mutter geht. Cohen schreibt in einer schönen und poetischen Sprache, die den Lyriker erkennen läßt.

„Buch IV“ fällt dagegen ab. Breavman trennt sich von Shell, um seine persönliche Freiheit zu wahren.  Er verbringt den Sommer als Betreuer in einem von Kumpel Krantz geleiteten Jugendcamp und erlebt in dem Autisten Martin seine eigene Andersartigkeit. Hier spielt Cohen mit dem bekannten Gegensatz: Bürger – Künstler. Besonders überzeugend scheint mir das alles aber nicht zu sein: Vielmehr verstrickt der Autor sich in allerlei Selbststilisierungen.

Die Ursache für die Entwicklung des Romans scheint mir außerhalb des Textes zu liegen: Hätte Cohen in New York City Shell (vielmehr das reale Vorbild der Romanfigur) geheiratet, so wäre er niemals nach Griechenland gegangen, hätte er nicht mit Marianne Ihlen gelebt und wäre er nicht zu dem (gemeinsam mit Bob Dylan) bedeutendsten Poeten der internationalen Popmusik geworden. Cohen beschreibt seine Jugendjahre, als noch alles im Fluss ist, aber er will einen in sich geschlossenen Roman konstruieren. Damit muss er notwendig scheitern. Auch die in den letzten Sätzen gegebene Auflösung des Romantitels (Lisas „Lieblingsspiel“ bestand darin, dass sie sich in den frisch gefallenen Schnee warfen und dann die entstandenen Formen verglichen ), scheint mir nicht wirklich überzeugend.

Breavmans „Lieblingsspiel“ ist natürlich die erotische Kommunikation. Im ersten Kapitel von „Buch I“ geht es nicht nur um die Narbe in Shells Ohrläppchen. Cohen schreibt: „Eine Narbe ist, was sich ereignet, wenn das Wort Fleisch wird.“(a.a.O.S.10) Das ist pathetisch ausgedrückt, der junge Cohen will eben wichtige Dinge erklären, führt aber ins Zentrum seines gesamten Werkes: Er versteht Erotik als die Nahtstelle zwischen Geist und Körper, zwischen Bewusstsein und Sein, Seele und Materie. Man könnte zeigen, wie er später in dem berühmten „Suzanne“ die erotische Liebe zu einer Erfahrung weltumspannender Mystik hoch stilisiert. Auch in der Liebe zwischen Shell und Breavman geht es um diese Kommunion von Geist und Fleisch: Shells Ehe verlief weitestgehend unerotisch und erst in der Beziehung zu Breavman erfährt sie (die aus der amerikanischen Upper-Class stammende Protestantin) sich selbst als erotisches Subjekt.  In dieser Kommunikation von Wort und Fleisch entstehen denn auch Cohens Gedichte:  ”Wenn du mich heranrufst / um mir zu sagen / dein Körper sei nicht schön / dann wünsche ich, mein Körper, meine Hände / sollten Becken sein / für deine Blicke  und dein Lachen.“ (a.a.O.S.226).

Leonrad Cohen wird so zum wahren Nachfolger Henry Millers, des großen Hippies der Welt­literatur. Man sollte sich vor Augen halten: Wir leben in einer profanen, auf das Geld fixierten Zeit, in der Sexualität als Mittel zum Zweck verstanden wird: Vor allem als Begleitmusik für den ewigen Kommerz. Oder sie gilt als Teil von psychischer Hygiene, vielleicht auch als eine Art Sport, und manche sehen in der Emanzipation sexueller Minderheiten gleich einen Aspekt der Befreiung der Menschheit. Cohen dagegen konzipiert Erotik als einen nahezu religiösen Selbstzweck, als den innersten Kern des menschlichen Lebens und der Kommunikation. In den Mittelpunkt des Lebens stellt er die mystische Erfahrung der Aufhebung der Vereinzelung. Seine Lieder sind ein Einspruch gegen den blinden Selbstlauf der Moderne.

siehe auch: Cohen und Hydra

Entscheidung an der Spree (7)

Freitag, 30. Juli 2010 von Ulli

…der verletzte Johannes von Blaustücken wurde in der Charité vernommen. Er sah sehr blass aus und hing an allen möglichen Kanülen und Drähten. Am Morgen war er von der Intensivstation in ein von einer Beamtin der Bundespolizei bewachtes Einzelzimmer verlegt worden. Kommissarin Birgit Allenare musste sich ausweisen, bevor sie den Raum betreten durfte. Sie zog sich einen Stuhl heran und setzte sich an sein Bett.

- Mein Bruder ist entkommen, stellte er röchelnd fest.

Die Kommissarin nickte. Sie wandte sich ab und blickte über das Dächermeer von Berlin-Mitte. Schwere, dunkle Wolken zogen von einem heftigen Wínd getrieben unheilverkündend über die Stadt….

Entscheidung an der Spree (6)

Dienstag, 20. Juli 2010 von Ulli

…Misstrauen Sie Pegasus, sagte von Herbert von Premnitz, der Polizeipräsident von Berlin. Er war ein schmaler Mann mit der Aura eines höheren Finanzbeamten. Auch der Innensenator weiß nicht wirklich, was hier vor sich geht, fügte er hinzu.

Handelt es sich um politische Intrigen? fragte Hauptkommissarin Birgit Allenare.

Wir wissen ja noch nicht mal, welche Daten sich auf Blaustückens berühmten Sticks befinden, sagte von Premnitz.

Ich denke, es geht um den Bau einer schmutzigen Bombe?

Ach Quatsch! Das sind die Geschichten, die fürs Volk erfunden werden. Falls was durchsickern sollte. Schüren Sie die gängigen Krisenängste und die Menschen werden blind wie die Maulwürfe für die wirklichen Gefahren, die ihnen drohen. Die liegen doch ganz woanders! Das ist das 1 mal 1 der public relations… Er lachte sarkastisch.

Kommissarin Allenare musterte misstrauisch den Polizeichef. Über welche Informationen verfügt er tatsächlich?…

Ulf Miehe: “Ich hab noch einen Toten in Berlin.”

Freitag, 02. Juli 2010 von Ulli

Ulf Miehes Roman ist eine echte Ausnahmeerscheinung im allzu häufig stockbiederen deutschen Krimischaffen. Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschrieben und im damaligen Inselreich West-Berlin spielend, ist dieser coole Krimi um Klassen besser als vieles, was seitdem veröffentlich wurde.

Es geht um den Drehbuch- und Krimiautor Benjamin und um den fürs deutsche Fernsehen tätigen Regisseur Gorski. Beide fahren nach Berlin, um dort nach Stoff für einen neuen Film zu suchen. Sie wollen nahe an der Wirklichkeit recherchieren. Benjamin kennt Sparta, eine aus Westdeutschland zugereiste und in Berlin heimisch gewordene Rotlicht- und Gangstergröße. Und Sparta, der einer jungen Frau zu einer Filmrolle verhelfen will, gibt tatsächlich einen Tipp: Einmal im Monat landet auf dem Flughafen Tegel eine US-amerikanische Militärmaschine, die den Sold für die in Berlin stationierten Soldaten bringt. Es soll sich um eine Million Dollars handeln, damals verdammt viel Geld. Mit einem Geldtransporter, eskortiert von zwei Jeeps, werden die Geldsäcke dann ins Headquarter gebracht. Diesen Transporter könnte man überfallen…

Gorski und Benjamin beginnen mit ihren Recherchen. Sie fahren die Strecke ab, denken darüber nach, wie man einen der Jeeps ausschalten und den Transporter stoppen könnte, besorgen sich auf dem schwarzen Markt mal probehalber Schusswaffen. Autor Benjamin macht sich pausenlos Notizen. Als heutiger Leser könnte man nun allerlei Reflektionen über das Drehbuch im Roman und ähnlichen Schnickschnack erwarten. Aber unsere postmodernen Zeiten lagen damals noch in weiterer Ferne. Und so nimmt die Geschichte eine ganz andere Wendung.

Gorski und Benjamin, als typische Kinder ihrer Zeit, schließen Theorie und Praxis einfach kurz. In der Realität führt dieser Kurzschluss aller Erfahrung nach ins Desaster (im Extremfall bis nach Stammheim und in den deutschen Herbst). Aber in der Literatur, und gerade in der aus den 70er Jahren, sehen die Dinge manchmal völlig anders aus. Gorski hat keine Lust, sich weiter von einem ebenso reichen wie knauserigen Produzenten nerven zu lassen. Und Autor und Bob-Dylan-Fan Benjamin scheint es finanziell ähnlich schlecht zu gehen wie heutigen Krimischreibern:

-„Schriftsteller überfiel Bank“, sagte er, „hast du’s schon gelesen? -„Nein.“ -„Und starb vor Aufregung an Herzschlag. So geschehen in der S-Bahn nach Hamburg. Mit dem Geld in der Tasche.“ -„So viel Geld war er nicht gewöhnt“, sagte ich.“ (Ulf Miehe, Ich hab noch einen Toten in Berlin, SZ Krimibibliothek Band 17, S. 92.)

Und so brechen sie die Brücken hinter sich ab. Ein besseres Leben werden sie schon finden, irgendwo unter südlicher Sonne. Benjamin und Gorski haben…

„…Träume, uneingestanden bis dahin, und ein Zufall bringt sie auf die Tat…Sie haben dieselbe Sehnsucht und den denselben Überdruss. Und plötzlich sind sie ganz überrascht, als sie feststellen, dass sie längst entschlossen sind, das Ding zu drehen, dass sie einfach keine Hemmungen haben…“ (a.a.O., S.152)

So nehmen die Dinge ihren Lauf und der Roman wird von Seite zu Seite spannender. Veröffentlicht werden Benjamins Notizen übrigens von einem gewissen Günter Quitt, einem befreundeten Autor, dem sie mit Hilfe einer Stewardess zugespielt wurden. Denn von Anfang an ist klar: Berlin ist zwar arm, aber sexy, aber Benjamin und Gorski sind dennoch mit unbekanntem Ziel auf und davon…

Fazit: Einer der wenigen internationalen Erfolge des deutschen Krimis. Und es ist kein Wunder, dass dieser Roman in 11 Sprachen übersetzt und allein in den USA mit über 200 000 Exemplaren verkauft wurde. Spitzenklasse!

Neue Rezension zur “Berliner Macht”

Mittwoch, 09. Juni 2010 von Ulli

Caren Löwner von Deutsche-Krimi-Autoren.de hat sich zu meinem Krimi Berliner Macht geäußert.

Ihr Fazit lautet: “Machtpoker in der Hauptstadt. Lesenswert!”

Die gesamte Rezension findet sich hier.

Schöne Polizeifahrzeuge

Mittwoch, 02. Juni 2010 von Ulli

Heute: New York City

Die New Yorker Polizei, berühmt und berüchtigt, dargestellt in unzähligen Krimis und Serien, von Jerome Charyn bis Kojak, greift im Großstadtstau zu allen Mitteln und nutzt die heißesten Flitzer.

Janwillem van de Wetering: “De Gier im Zwielicht”

Freitag, 21. Mai 2010 von Ulli

Die Kriminalromane von Janwillem van de Wetering scheinen aus einer fernen Vergangenheit herüberzuwehen. Der Autor schrieb in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, zu einer Zeit als – im Windschatten des zu Ende gehenden kalten Krieges – die Menschen in den westeuropäischen Sozialstaaten ein entspanntes Leben führten und von den Problemen unserer Tage noch nichts ahnten, seien es Globalisierung, ein Amok laufender Finanzkapitalismus oder die Grenzen multikultureller Toleranz. Van de Wetering schickte ein Ermittlertrio auf die Straßen Amsterdams, das ganz vom Zeitgeist jener Jahre geprägt war: Den Commissaris, den Chef der Amsterdamer Mordkommission, der niemals bei seinem Namen genannt wird und der sich öfters mit seiner Schildkröte über das Leben an sich unterhält, den Adjutanten Grijpstra, einen schwergewichtigen, schlagzeugspielenden Mann, scheinbar der normalste des Trios, der mit dem Scheitern seiner Ehe zu tun hat, und den Bigadier Rinus de Gier, der die Rolle des jugendlichen Katzenfreundes, Helden und Liebhabers übernimmt. Dieses Personal sieht sich denn auch nicht nur mit Mordfällen konfrontriert, sondern vor allem mit den meta­physischen Fragen nach dem Sinn des Lebens. Der Autor selbst verbrachte neben dem Krimischreiben viel Zeit in einem japanischen Zenkloster, auch darüber schrieb er mehrere interessante Bücher.

Dabei geht van de Weterings Amsterdam-Saga für die Ermittler bestens aus: In einem leerstehenden Haus finden sie einen Riesenberg Drogengeld, den sie einfach verschwinden lassen. Dann setzen sie sich zur Ruhe und sind damit dem profanen Leben schon mal ein ganzes Stück entrückt: „Der Commissaris, ein altes, zer­knittertes, dünnes Männchen, dachte über das Leben nach…“ (“De Gier im Zwielicht”, rororo, Reinbek bei Hamburg, 1993, Kap. 3). Henk Grijpstra dagegen lebt mit dem geklauten Geld und der Exhure Nelli („Nellis ausladender Busen, über den sich ein rosafarbener Pullover spannte, schwappte gegen Grijpstras mächtigen Brustkorb.“(a.a.O.,Kap.1) in deren Patrizierhaus und gibt das Vollbild einen wohlhabenden Amsterdamer Bourgeois ab. Und de Gier ist nach einigen Reisen als Hippie an den wilden Küsten Maines aufgeschlagen, wo er in einem pagoden­ähnlichen Haus auf einem Inselchen lebt, meditiert, die Natur beobachtet und sich mit seiner Freundin, der Natur­schützerin Lorraine, beschäftigt.

Doch selbst so nahe am Nirwana gibt es gelegentlich Probleme und so schickte van de Wetering seine Leute Anfang der Neunziger noch einmal auf die Krimipiste. De Gier gerät ins Zwielicht, in Schwierigkeiten, denn Lorraine ist verschwunden. Eines Abends hatte er sich den Verstand mit Marihuana, Whisky und Miles Davis zugedröhnt, um neue Bewußtseinsebenen zu erfahren. Als Lorraine von ihrer Insel herüber gepaddelt kam, ging sie ihm wohl auf die Nerven. Hat der bedröhnte Ex-Polizist seine Öko-Freundin etwa von der Klippe gestoßen? Er kann sich nicht mehr dran erinnern, wird aber genau deswegen erpresst.

In großer Not helfen alte Kumpels. Also fliegt Henk Grijpstra nach USA, um die Sache aufzuklären. Der Commissaris, der an schwerem Rheuma leidet und in dem grandiosen „Massaker in Maine“ auch schon mal in Amerika war, hält telefonischen Kontakt und berät seine Jungs. Grijpstra lernt die verschiedenen Bewohner des Hafennests Jameson kennen und für einige Momente vermeint man tatsächlich einen ganz normalen Krimi zu lesen: Natürlich gibt es Drogenschmuggel an den einsamen Küsten und der üble Sheriff Hairy Harry, ein glatzköpfiger Rechter, und sein Deputy hängen dick drin. Eine bildhübsche Lesbierin aus Hawai arbeitet hingegen verdeckt für die Drogenbehörden. Vor allem ist Jameson aber ein Arkadien für Sonderlinge, Lebenskünstler und Hippies aller Art. Und so kommt alles ganz anders: Nicht nur die wilden Tiere Maines, auch die indianischen Vorfahren und selbst ein Knochenzauber aus Papua-Neuginea spielen ihre Rolle. Wer von einem Krimi immer nur die Bestätigung des Angstschemas: Bedrohung der gesicherten Ordnung durch einen wahn­sinnigen Massenmörder – Herstellung der gesicherten Ordnung durch den Kommissar (rotes Holzhaus auf dem Cover) erwartet, wird mit „De Gier im Zwielicht“ vielleicht nicht viel anfangen können. Wer sich allerdings der Erkenntnis öffnet, dass im Leben (und sogar noch kurz vorm Nirwana) allerlei interessante, spannende und lustige Dinge geschehen – und dass das neoliberale Rattenrennen gar kein Leben ist -, der wird sich bei der Lektüre dieses Romans ohne Zweifel amüsieren. Oder wie John Lennon bereits meinte: Don’t you know, it’s gonna be allright…

Entscheidung an der Spree (5)

Mittwoch, 12. Mai 2010 von Ulli

…Adrian von Blaustückens Stimme drang undeutlich durch lautes Rauschen. Pegasus gab Befehle in sein Notebook ein und die Stimme wurde klar und  verständlich.

Sie meinen den Briefkasten?, fragte Blaustücken.

Alles Elektronische wird überwacht, wir haben keine Wahl, antwortete eine Frauenstimme. Kommen Sie dann in die Shoppingwelt am Alex. In die dritte Etage. Suchen Sie im Imbiss den Waschraum auf…

Das Knistern und Pfeifen wurde erneut lauter.

Ich denke, er treibt sich irgendwo in Lichtenberg herum, sagte Pegasus. Typisch für ihn…

Wieso typisch?, fragte Kommissarin Birgit Allenare. Und was will er mit dem Briefkasten?

Das Geld soll in zwei Etappen übergeben werden, erklärte der BKA-Mann. Zuerst wird der Code der Konten übergeben und nachdem die Daten geprüft sind, kommen die Namen der Briefkastenfirmen an die Reihe. Die haben ihren Sitz dann auf den Kaimanns, in Singapur und in Hongkong. Kingkong…

 

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