mord & totschlag

Entscheidung an der Spree (21)

Dienstag, 24. Januar 2012 von Ulli

…Der Versorgungsschacht führte schräg nach unten zu einem Treppenhaus tief im Bauch des Shopping-Paradieses. Auch hier war das Plastikgitter, mit dem er verschlossen war, aus der Verankerung gebrochen. Kommissarin Allenare kletterte in das Treppenhaus: Es war ein mindestens dreißig Meter tiefer, doch kaum zweieinhalb Meter breiter Schacht. Eine einfache Metalltreppe führte nach unten. Dieses Treppenhaus war in keinem Lageplan des Paradieses eingetragen. Es gab also tatsächlich diese geheimen Räume, über die bei der Kripo schon lange hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde: Die clandestine Rückseite der deutschen Biederwelt. Wie durch Watte hörte die schöne Kommissarin die Weihnachtsmusik, mit der draußen die Verkaufsflächen beschallt wurden: Rudolf, the rednosed raindeer

Verschwörung an der Spree (20)

Freitag, 13. Januar 2012 von Ulli

…Vor der Seitenwand stand ein hoher Spiegel. Birgit Allenare schob ihn rasch zur Seite und erblickte oben in der Wand einen Zugang zu einem Versorgungsschacht: Das Plastikgitter, mit dem er verschlossen gewesen war, lag zerbrochen am Boden. Auf Fußspitzen spähte sie in den Schacht: Dunkelheit. Dann zog sie sich hoch und kletterte entschlossen in die schmale Öffnung. Auf allen Vieren kroch sie vorwärts. Vor ihr war alles schwarz. Das Rauschen der Heizungsanlage war unregelmäßig und erinnerte an den stoßweisen Atem eines Monsters…

Verschwörung an der Spree (19)

Mittwoch, 04. Januar 2012 von Ulli

…Die Kommissarin stürmte durch den Pulverdampf und das Tränengas zu der Tür, durch die Adrian von Blaustücken verschwunden war. Dutzende Schüsse krachten, es war wie im Krieg. Eine Kugel pfiff um nur einen Millimeter an Birgit Allenares Kopf vorbei. Sie erreichte die Tür und riss sie auf, rannte in einen kleinen Lager- und Umkleideraum. Sie war in kalten Schweiß gebadet, zitterend am ganzen Körper. Das Herz schlug ihr bis hoch zum Hals. Um ein Haar wäre sie erschossen worden. Sie befürchtete, das Bewusstsein zu verlieren, taumelte, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand. Vor ihren Augen wurde alles schwarz. Dann ging es ihr wieder besser. Wo war Blaustücken? Der kleine Raum war menschenleer…

siehe auch: Verschwörung an der Spree (1)

Coole Polizeifahrzeuge

Samstag, 24. Dezember 2011 von Ulli

Heute: Italien und Berlin.


Ein Fahrzeug der italienischen Policia Municipale, zusammen mit einem Beauty-Car, in dem Städtchen Trani, Apulien.

Und mit solchen coolen Käfern kurvte die Polizei in den Sechzigern durch West-Berlin.

siehe  zu Weihnachten ebenfalls: Schnittige Polizeifahrzeuge, und: Interessante Polizeiboote.

Über die Erzählperspektive

Samstag, 03. Dezember 2011 von Ulli

Richard Powers beschreibt in seinem Roman „Der Klang der Zeit“ eine Familie in New York: Der Vater ist ein emigrierter österreichischer Jude, der als Physiker arbeitet, die Mutter eine Farbige aus Philadelphia, die Kinder sind halbfarbige Halbjuden. Alle sind sehr musikalisch und musizieren immer und einer der Söhne macht denn auch eine große Karriere. Powers erzählt von marginalisierten, sozial ausgegrenzten Menschen, die aus ihrem Leben etwas – in vielerlei Wortsinn- Fantastisches machen.

Grass erzählt seine „Blechtrommel“ aus der Perspektive des Gnoms Oskar Matzerath. Böll schrieb immer aus der Perspektive der Opfer. Johnsons „Jahrestage“ sind ganz sicher „Geschichtsschreibung von unten“. Auch Peter Handkes Bücher gewinnen ihre Qualität nicht nur durch ihre herausragende Sprache. Ihre Helden laborieren an dem heutzutage aus dem öffentlichen Bewusstsein völlig verdrängten Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft: Sei es der Autor, der ganz alleine in seiner Pariser „Niemandsbucht“ lebt, sei es der Salzburger Apotheker, der alles stehen und liegen lässt und auf die Reise geht, sei es die Bankerfrau, die mit dem „Bildverlust“ die Kraft verliert, sich in ihr Leben zu integrieren.

So fangen alle Märchen an: Aschenputtel war einsam und verlassen…Hänsel und Gretel gingen in den Wald und gerieten in große Gefahr…

Demgegenüber erscheint die deutsche Gegenwartsliteratur wie das kulturelle Pendant zur FDP. Es spricht die saturierte Mittelschicht, es schreiben die Gewinner der Globalisierung. Hier ist niemand einsam und verlassen und es gerät auch keiner in Gefahr. Junge Autoren, im Wohlstand aufgewachsen, scheinbar von Natur aus auf der Gewinnerseite des Lebens positioniert, von Eltern und Lehrern gepampert, versehen mit einem endlos gestreicheltem Narzismus, jederzeit von allen Seiten in der Ansicht bestärkt, die Verlierer und Schwachen seien selbst schuld an ihrer Lage, seien Penner und Spinner, auf alle Fälle vollkommen uninteressant, mit creative writing technisch gestärkt, schreiben Bücher, die irgendwie witzig sind, damit sie beim Kunden ankommen. Manche erzählen auch davon, wie schlecht es der Mittelschicht ging, als sie noch unter der DDR-Knute darbte. Die Bessereren schildern immerhin, dass das Leben im ausweglosen Wohlstand trotz des für später erwarteten „Sommerhauses“ unter dem Strich frustriert. Die Sprachkünstler verirren sich in Manierismus: Ein Journalist erlebt mit einer schönen Meeresbiologin an der Adria „die große Liebe“, aber da der Autor kein schmutziges Wort in den Computer nehmen mag, beschreibt er die erotische Verzückung mit der Wohlstandsmetaphorik von teuren Restaurantbesuchen…

Siehe auch: Endlich ein brauchbares Weihnachtsgeschenk.

Verschwörung an der Spree (18)

Donnerstag, 24. November 2011 von Ulli

…Schüsse. Gellende Schreie. Feuer und Rauch aus dem Tresen und der Kühlanlage der Caféterria. Ein Querschläger musste die Elektronik getroffen und in Brand gesetzt haben. Wie Rambos stürmten vermummte und schwer gepanzerte Beamte eines SEK durch die Caféterria. Allenare war sich sicher, dass Blaustücken, wenn er nicht von einer Kugel getroffen worden war, längst das Weite gesucht hatte. Sie hatten ihn umbringen wollen. Warum? Die Kommissarin erreichte den Ausgang der Caféterria degli Napoli, richtete sich auf. Hunderte Menschen drängten sich bereits auf dieser Etage des Shopping-Universum. Die meisten Leute filmten die dramatischen Vorgänge mit ihren Handys. Dann sah sie durch die Schwaden des Qualms und des Tränengases, wie Adrian von Blaustücken durch eine Tür hinter einer weißen Säule verschwand…

Verschwörung an der Spree (17)

Montag, 14. November 2011 von Ulli

…Die Beamten setzten Tränen- und Reizgas ein. In der Caféterria degli Napoli konnte man die Hand nicht mehr vor Augen sehen. Tränen schossen in  Birgit Allenares Augen und ihre Lungen brannten bei jedem Atemzug wie Feuer. Wieder krachten Schüsse. Die Verletzten schrien gellend in Panik. Die Kommissarin hatte sich auf den Boden geworfen und robbte in die Richtung, in der sie Blaustücken vermutete. Was sollte dieses Chaos? Was wurde damit bezweckt? Wollte man Blaustücken erschießen, bevor er noch eine Aussage machen konnte? Rings um sie her schrien die Menschen in Angst und in Schrecken…

Verschwörung an der Spree (16)

Freitag, 04. November 2011 von Ulli

…von einem Moment zum nächsten schien die Hölle loszubrechen. Es war das Inferno. Von allen Seiten krachten Schüsse. Die bellenden Kommandorufe der SEK-Führer. Die zwei Dutzend Kunden, die sich in der Caféterria degli Napoli aufhielten, wurden von Panik erfasst. Die Menschen sprangen von ihren Stühlen auf, gingen unter den Tischen in Deckung.  Ein kleiner Junge brüllte verzweifelt, als seine Mutter direkt neben ihm vom Feuer einer Maschinenpistole von ihrem Stuhl gemäht wurde. Birgit Allenare sah, wie Adrian von Blaustücken unter einen Tisch sprang und in Richtung des Ausgangs der Caféterria robbte. Von allen Seiten nun Schüsse und Mündungsfeuer….

Verschwörung an der Spree (15)

Montag, 24. Oktober 2011 von Ulli

…Aber was sollte das werden? Ein staatlicher Amoklauf? Wo war der Käufer von Adrians Material? Gerade ließen sich zwei blonde Frauen an einem kleinen Tisch am Eingang der Cafeterria nieder: Allenare tippte Mitarbeiterinnen des BND. Die Damen trugen unter Garantie Pistolen in ihren Strumpfbändern. Die Vorstellung, dass zusätzlich noch zwei schwerbewaffnete SEKs in Bereitschaft standen, ließ sie frösteln. Im Shopping-Universum waren tausende Kunden unterwegs, erledigten ihre Weihnachtseinkäufe. Früher hatten die Menschen Gott angebetet, dann das Volk und den Führer, dann den Sozialismus, heute gingen sie einkaufen.

In dieser Sekunde krachte der erste Schuss…

siehe auch: Herbstgeschichte

Verschwörung an der Spree (14)

Freitag, 14. Oktober 2011 von Ulli

Hauptkommissarin Birgit Allenare von der Kripo Berlin nimmt an der Aktion teil. Sie hat sich in die Cafeterria begeben, in der von Blaustückens Treffen mit seinem Kontaktmann stattfinden soll:

…Sie erkannte Adrian sofort. Im geheimen Dossier gab es ein altes Foto von Blaustückens. Sie bestellte ebenfalls einen Espresso und tat uninteressiert. Zwei Muskelmänner, die der Kommissarin verdammt nach dem Sonderkommando Bundespolizei aussahen, saßen an einem Tisch an der Seite. Ohne jeden Zweifel wimmelte es in der Caféterria von Polizisten, Allenare konnte ihre Kollegen förmlich riechen…

 

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